Grenze zu Belarus

Polnischer Polizist schwer verletzt – Regierung spricht von „Angriff der Migranten“

16.11.2021
Lesedauer: 3 Minuten
Bei Zusammenstößen zwischen Sicherheitskräften und Migranten an der Grenze zu Belarus ist ein polnischer Polizist schwer verletzt worden. WELT-Reporter Christoph Wanner berichtet über die aktuelle Lage. Quelle: WELT

Wasserwerfer, Steinwürfe und weinende Kinder. Die Lage an der Grenze zwischen Belarus und Polen eskalierte am Dienstag zeitweise. Laut Ministerium in Warschau haben Migranten Steine auf Soldaten und Sicherheitskräfte geworfen – ein Polizist erlitt einen Schädelbruch.

An der Grenze zwischen Belarus und Polen ist am Dienstag die Lage um tausende Migranten zeitweise eskaliert. Belarussische Staatsmedien zeigten in verschiedenen Videosequenzen, wie von polnischer Seite Wasserwerfer gegen die Migranten am Übergang Kuznica-Brusgi eingesetzt wurden. Auf Videos waren durchnässte Menschen zu sehen, darunter auch Journalisten, die vom Wasserstrahl getroffen wurden. Das polnische Verteidigungsministerium veröffentlichte ebenfalls ein Video, auf dem der Einsatz eines Wasserwerfers zu sehen war.

Das Ministerium in Warschau sprach von einem „Angriff der Migranten“ am Grenzübergang Kuznica. Die Flüchtlinge seien sehr aggressiv und würden Steine auf Soldaten und Sicherheitskräfte werfen. „Die Migranten haben unsere Soldaten und Beamte mit Steinen attackiert und versuchen, den Zaun zu zerstören und nach Polen zu kommen“, teilte das Verteidigungsministerium in Warschau bei „Twitter“ mit. „Unsere Einsatzkräfte haben Tränengas eingesetzt, um die Aggression der Migranten zu beenden.“ Sie seien zudem von der belarussischen Seite mit Knallgranaten ausgestattet worden.

Im späteren Verlauf des Tages beruhigte sich die Lage an dem Grenzübergang nach Angaben des polnischen Grenzschutzes wieder. „Momentan kehren die Ausländer vom Grenzübergang Kuznica-Brusgi auf das Gelände des früheren Zeltlagers zurück, das sich ein paar hundert Meter weiter an der Grenzlinie befindet“, teilten die Grenzschützer am Dienstag via Twitter mit. Dazu posteten sie ein Video, das Menschen am Waldrand hinter der Grenzbefestigung zeigt, die sich an Lagerfeuern wärmen.

Bei den Zusammenstößen zwischen polnischen Sicherheitskräften und Flüchtlingen ist ein Polizist schwer verletzt worden. Nach Angaben der polnischen Polizei erlitt der Beamte am Dienstag einen Schädelbruch.

In den belarussischen Aufnahmen war ebenfalls zu sehen, wie Migranten Steine auf die polnischen Sicherheitskräfte warfen. Unbestätigten Berichten zufolge soll von polnischer Seite auch Tränengas eingesetzt worden sein. Polen lässt keine Medien für eine Berichterstattung aus der Grenzregion zu.

200 Migranten wollen in ihre Heimat zurückkehren

Nach Darstellung des belarussischen Machthabers Alexander Lukaschenko sind in einem „Migrantenlager“ mehr als 2000 Menschen, die dort seit Tagen ausharren. Auf den veröffentlichten Videos waren auch weinende Kinder zu sehen. Lukaschenko kündigte nach seinem Telefonat mit Kanzlerin Angela Merkel an, dass er ein weiteres Gespräch mit ihr erwarte. Auch mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin, der eine Vermittlung in dem Konflikt angeboten hatte, stehe ein Gespräch an, sagte Lukaschenko.

Viele Migranten stammen aus dem Irak. Die zuständige Botschaft des Landes in Moskau teilte der Agentur Interfax zufolge mit, dass etwa 200 Menschen von Belarus nun in ihre Heimat zurückkehren wollten. Darunter seien Familien, Frauen und Kinder, hieß es. Ein „Evakuierungsflug“ aus Minsk werden für diesen Donnerstag organisiert.

dpa/AFP/cvb/säd

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