Nord Stream: Warum die Story mit der Segeljacht Andromeda nicht stimmen kann

10.03.2023
Lesedauer: 3 Minuten
Womöglich legte nicht die Segeljacht Andromeda die Sprengladungen, sondern der Öltanker Minerva Julie. Foto: Alf van Beem/Wikimedia Commons

Die Recherchen von ARD und Zeit sind lückenhaft. Experten sehen viele Ungereimtheiten in den Berichten. Und einen verdächtigen Öltanker namens Minerva Julie.

Holger Stark ist einer der erfahrensten Journalisten des Landes. Er leitet das Investigativ-Ressort der Wochenzeitung Die Zeit. Zusammen mit anderen Redaktionen der ARD veröffentlichte Stark am 7. März 2023 auf Zeit Online Rechercheergebnisse zu den Anschlägen vom Sommer 2022 auf die Nord-Stream-Pipelines in der Ostsee.

Der Zeit-Bericht stützt sich vor allem auf die Informationen von nicht näher genannten „Ermittlern“. „Die Geheimoperation auf See soll den Ermittlungen zufolge von einem Team aus sechs Personen durchgeführt worden sein“, heißt es in dem Text weiter. Kurz erklärt soll eine polnische Firma, die zwei Ukrainern gehört, eine 15 Meter lange Segeljacht in Rostock angemietet haben.

In Wiek auf Rügen soll das Boot dann von sechs Personen, darunter zwei Tauchern, bestiegen worden sein, die Sprengstoff zum Tatort vor Bornholm transportiert und Sprengladungen an den Strängen von Nord Stream 1 und 2 platziert haben sollen. Dem Bericht zufolge könnte es sich bei dem Kommando um eine „proukrainische Gruppe“ gehandelt haben. Das geschilderte Szenario klingt spektakulär. Zu spektakulär vielleicht?

Der Öltanker Minerva Julie wird von den deutschen Medien ignoriert

Auf Twitter jedenfalls sorgte der Bericht für viele kritische Fragen an die Rechercheure durch Experten und Journalisten. Der Welt-Journalist Hans-Martin Tillack etwa fragte Holger Stark, ob die Behörden etwas zu dem unter griechischer Flagge fahrenden Öltanker Minerva Julie gesagt hätten, der von Russland aus regelmäßig andere europäische Häfen anlaufe und während der Detonationen in dem Seegebiet um die Tatorte kreuzte.

Und ob „wirklich niemand in den vier Redaktionen einen Gegencheck mit verfügbarer OSINT gemacht“ habe. Anmerkung der Redaktion: Das ist die Auswertung von allen offen verfügbaren Informationen wie etwa Positionsdaten von Schiffsrouten. Die Antwort: „Die Route des Frachters ist den Behörden seit langem bekannt, wir haben mehrfach danach gefragt. Nach meinem Stand gibt es trotz monatelangen Ermittlungen keine Hinweise auf eine Beteiligung. Deinen letzten Satz verstehe ich zugegeben nicht“.

Eine Aussage, die verwundert. Weiß einer der renommiertesten Investigativ-Journalisten des Landes etwa nicht, was die auch von Geheimdiensten angewendete Methode OSINT ist? Eine Antwort blieb Stark in der Folge schuldig. Aber nicht nur diese Reaktion auf eine kritische Nachfrage eines Kollegen sorgt für Zweifel an dem Bericht des Rechercheverbundes.

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