"Zu jung, keine Erfahrung - und man merkt es"

Nigerianischer Prinz geht auf Baerbock los!

13.05.2023
Lesedauer: 4 Minuten
Baerbock wollte historisches Unrecht wiedergutmachen, jetzt wird sie dafür verspottet: Hier, am 22. Dezember 2022, übergab sie eine Elfenbein-Maske an den nigerianischen Kulturminister Alhaji Lai Mohammed (Mitte: Außenminister Geoffrey Onyeama) Foto: picture alliance/dpa

Riesen-Wut aus Afrika gegen Annalena Baerbock (42)!

Ein Prinz aus dem mindestens 14 Jahrhunderte alten Königshaus Benin in Nigeria geht auf unsere Bundesaußenministerin los, verhöhnt und verspottet sie ohne Rücksicht auf Diplomatie!

Hintergrund: Ein Zoff um wertvolle Kunstschätze, bei dem es Baerbock eigentlich nur gut gemeint hatte.

„Es tut mir leid, aber Ihre Außenministerin ist zu jung“, sagt Prinz Okpame-Edward Oronsaye an die Deutschen gerichtet. Er schob in der „Berliner Zeitung“ nach: „Sie hat keine Erfahrung, und manchmal merkt man das, wenn sie spricht.“

Baerbocks Sühne-Flop

Darum geht’s: Baerbock war Ende 2022 nach Nigeria gereist, um dem Staat die sogenannten Benin-Bronzen zu übergeben – britische Raubkunst, die irgendwann an deutsche Museen verkauft wurden – und die unsere Außenministerin nun pflichtschuldig ihren ursprünglichen Eigentümern zurückgeben wollte. Als kleines Symbol der späten kolonialen Sühne Deutschlands – obwohl es in Nigeria keine deutsche Kolonialgeschichte gibt.

Die Bronzen würden jetzt wieder dem nigerianischen Volk gehören, verkündete Baerbock vor Ort bei einer feierlichen Zeremonie mit hochrangigen Politikern des Landes.

Kulturstaatsministerin CLaudia Roth (67, M.) war bei der Übergabe-Zeremonie auch dabei
Kulturstaatsministerin Claudia Roth (67, M.) war bei der feierlichen Übergabe auch dabei
Foto: IMAGO/photothek
Zuletzt waren die Bronzen im Museum am Rothenbaum ausgestellt – sie überliefern die ganze Geschichte des Volks der Edo, das keine schriftliche Überlieferung kennt, erklärt Prinz Oronsaye
Diese Bronzen waren zuletzt im Hamburger Museum am Rothenbaum ausgestellt – sie überliefern die ganze Geschichte des Volks der Edo, da es kein schriftliches Erbe hat, erklärt Prinz Oronsaye
Foto: dpa

Doch die grüne Sühne-Aktion wurde zum Flop! Kurze Zeit später übertrug Nigerias Präsident Muhammadu Buhari die Bronzen an den König von Benin, dem sogenannten Oba Ewuare II.

Der aktuelle König bzw. Oba von Benin, Ewuare II.: Er bekleidet kein offizielles Regierungsamt, ist aber der spirituelle Führer des Volks der Edo
Der aktuelle König bzw. Oba von Benin, Ewuare II., ist spiritueller Führer des Volks der Edo
Foto: AFP/Getty Images

So war das aber nicht geplant, ärgert sich das Auswärtige Amt: Die Bronzen sollten in Nigeria in einem Museum ausgestellt werden, das Deutschland mit Steuerzahlergeld bezuschusst.

Jetzt sind die Schätze in Privatbesitz, da der Oba zwar einen wichtigen Adelstitel hat, aber kein Regierungsamt. Er kann mit den Bronzen machen, was er will, und wird sie wohl in oder nah an seinem Palast in Benin-Stadt (ca. 1,4 Mio. Einwohner / nicht zu verwechseln mit dem Nachbarstaat Benin) aufbewahren.

Die Benin-Bronzen bleiben wohl hier: Der Königspalast des Oba in Benin-Stadt. Er wurde in 13. Jahrhundert nach Christus gebaut, 1897 von den Briten zerstört und in den 1920er Jahren wieder aufgebaut. Heute gehört er zum Unesco-Weltkulturerbe
Die Benin-Bronzen bleiben wohl hier: im Königspalast des Oba in Benin-Stadt. Er wurde in 13. Jahrhundert nach Christus gebaut, 1897 von den Briten zerstört und in den 1920er-Jahren wieder aufgebaut. Heute gehört er zum Unesco-Weltkulturerbe
Foto: Wikimedia

Gibt es überhaupt ein nigerianisches Volk?

Prinz Oronsaye, sein Verwandter in Deutschland (lebt seit 30 Jahren im hessischen Wächtersbach), erklärt der „Berliner Zeitung“ seine Sicht der Dinge – und wirft Baerbock komplette Unkenntnis der Lage vor.

Die Bronzen könnten gar nicht dem nigerianischen Volk gehören, sagt er, weil es sowas gar nicht gebe: Dort lebten 250 Volksstämme, die sich kaum als „Nigeranier“ betrachteten.

Und rechtmäßige Besitzer der Kunstschätze sei das Volk der Edo bzw. ihr Oberhaupt, der Oba. Zu unterstellen, der würde die Schätze nicht ausstellen, empfindet der Prinz als Unverschämtheit.

Der Oba regierte Jahrhunderte lang über ein Königreich, das sich im Westen zwischenzeitlich sogar bis nach Lagos erstreckte, der heutigen 16-Millionen-Metropole Nigerias. Bis 1897 die Briten kamen, das Königreich zerschlugen und dabei die Bronzen raubten, sagt der Prinz. Zur Wahrheit gehört aber auch: Die Dynastie beteiligte und bereicherte sich zuvor auch am Sklavenhandel mit den Europäern.

Nicht die erste Afrika-Blamage Baerbocks

Deutschland habe überhaupt keinen Anlass, sich für den Besitz der Bronzen schuldig zu fühlen, sagt der Prinz weiter – schließlich habe sie ja gar nicht Deutschland geraubt, sondern die Briten. Wenn überhaupt, könne sich Baerbock in den ehemaligen deutschen Kolonien in Namibia, Kamerun, Togo oder dem heutigen Tansania entschuldigen, aber nicht in Nigeria.

Immerhin nimmt der Prinz Baerbock mit Blick auf das diplomatische Desaster ein wenig in Schutz: „Machen Sie sie dafür nicht verantwortlich. Ihre Berater haben die Frau nicht informiert.“

Nicht die erste Afrika-Blamage für Annalena Baerbock: Im Januar hatte das Auswärtige Amt für Verstimmungen gesorgt, als es sich auf Twitter an einem Leopard-Wortspiel versuchte, das die Afrikanische Union verärgert als Klischee auffasste.

Das könnte Sie auch interessieren

Für Energiekonzern
01.12.2024
EU-Plan gescheitert
29.11.2024
ARD-Show "Die 100"
26.11.2024
Abstimmung über neue EU-Kommission
27.11.2024

Kommentare

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

10 − 6 =

Weitere Artikel aus der gleichen Rubrik

Für Energiekonzern
01.12.2024
EU-Plan gescheitert
29.11.2024

Neueste Kommentare

Trends

Alle Kategorien

Kategorien