Missbrauchskomplex Epstein

Nächster Millionär muss seinen Posten räumen

01.11.2021
Lesedauer: 3 Minuten
Jes Staley (64) ist seinen Chef-Posten bei der Großbank Barclays los Foto: PETER NICHOLLS/REUTERS

Wer wusste von den widerlichen Taten des Ex-Investmentbankers Jeffrey Epstein (†66), wer hat mitgemacht?

Im Zuge der Ermittlungen zu dem gigantischen Missbrauchskomplex muss jetzt der nächste Multi-Millionär zurücktreten: Am Montagmorgen hat Jes Staley (64), Chef der Großbank Barclays, seinen Posten geräumt.

Angesichts der Erkenntnisse, von denen die Bank und Staley am Freitagabend durch die britische Finanzaufsicht unterrichtet worden seien, hätten sich das Unternehmen und der Manager auf einen Rückzug geeinigt, teilte Barclays am Montag in London mit.

Grund sind seine Verbindungen zu Epstein.

Staley hatte zu seiner Zeit bei der US-Bank JPMorgan Kontakt mit dem Sexualstraftäter, seit Dezember 2015 war er dann Chef von Barclays.

Jes Staley (links) zusammen mit Microsoft-Gründer Bill Gates (2.v.r.) und Jeffrey Epstein (Mitte) 2011 im Haus des Sexualstraftäters in New York
Jes Staley (links) zusammen mit Microsoft-Gründer Bill Gates (2.v.r.) und Jeffrey Epstein (Mitte) 2011 im Haus des Sexualstraftäters in New York Foto: privat – Internet

Der Banken-Boss sei der Untersuchung zufolge weder Zeuge von mutmaßlichen Verbrechen Epsteins gewesen, noch habe er Kenntnis von diesen gehabt, hieß es von Barclays weiter. Das sei auch der zentrale Grund gewesen, warum die Bank Staley nach der Verhaftung Epsteins im Sommer 2019 unterstützt habe.

Doch warum er jetzt plötzlich seinen Hut nimmt, bleibt vage!

„Angesichts der Schlussfolgerungen und Herrn Staleys Absicht, diese anzufechten, haben der Aufsichtsrat und Herr Staley vereinbart, dass er von seinem Posten als Chef der Gruppe und Direktor von Barclays zurücktritt“, teilte die Bank weiter mit.

Jetzt soll Staley noch ein Jahresgehalt von umgerechnet ca. 2,8 Millionen Euro beziehen. Sein Nachfolger ist der Manager C.S. Venkatakrishnan.

Auslöser der Ermittlungen

Die Untersuchungen zu den Verbindungen von Staley und Epstein liefen seit Februar letzten Jahres. Das „Wall Street Journal“ hatte unter anderem von Besuchen Staleys auf Epsteins privater Karibikinsel berichtet.

Laut „Financial Times“ wurden bei den Ermittlungen auch E-Mails zwischen den beiden Männern ausgewertet. Diese deuten demnach darauf hin, dass ihre Beziehung freundschaftlicher war als von Staley behauptet. Er hatte stets von einer beruflichen Verbindung gesprochen.

Epstein war bis 2013 ein wichtiger Kunde der Privatbank von JPMorgan, die Staley früher leitete.

Epstein, der sich 2019 im Gefängnis das Leben nahm, steht im Zentrum eines Missbrauchsskandals.

Er soll gemeinsam mit seiner Ex-Partnerin Ghislaine Maxwell (59), die derzeit in einem New Yorker Gefängnis auf ihren Prozess wartet, jahrelang junge Frauen in ihre Abhängigkeit gebracht und sexuell missbraucht sowie anderen Männern zugeführt haben. Unter den Opfern waren auch Minderjährige.

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