- Ungeimpfte müssten sich in Deutschland mittlerweile fühlen wie „die Armenier damals in der Türkei, wo dann zum Teil eine Ausrottung stattfand“.
- Mit dieser Aussage wird der Freiberger Baubürgermeister Holger Reuter in einem Artikel zitiert.
- In seiner Heimatstadt sorgt das für Aufregung – Reuter selbst korrigierte seine Aussagen im Nachhinein.
Im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS) hat der Freiberger Bürgermeister für Bauwesen und CDU-Vorsitzender der Stadt, Holger Reuter, die Corona-Politik des Freistaats Sachsen in Bezug mit dem Völkermord an den Armenien gesetzt. Reuter spricht über den Druck, der auf Ungeimpfte ausgeübt wird. Er sieht demnach ein „Kesseltreiben gegen die Ungeimpften“. Das werde „vorgenommen in einer Art und Weise, dass die Ungeimpften sich fühlen wie die Armenier damals in der Türkei, wo dann zum Teil eine Ausrottung stattfand“.
Auf Nachfrage der FAS-Autorin wird Reuter zitiert, er würde den Druck auf die Ungeimpften nicht mit dem damaligen Genozid vergleichen: „Denn dann unterstellen Sie mir noch ganz andere Dinge.“ Aber man könne „sich ja vorstellen, wie sich Menschen fühlen, die von der Politik in die Enge getrieben werden“. Dann zitiert ihn die FAS indirekt: „Es sei doch so: Nicht die Ungeimpften seien schuld an der Lage in den Krankenhäusern, sondern die Geimpften mit ihrer Nachlässigkeit.“
Freiberger Oberbürgermeister: „Er schadet unserer Stadt massiv“
Gegenüber der Leipziger Volkszeitung dementiert Reuter, solche Aussagen getätigt zu haben. „Ich habe das nicht mit dem Völkermord an den Armeniern verglichen. Das ist eine Unverschämtheit.“ Er korrigiert die FAS und will eigentlich folgendes gesagt haben: „Ich kann mir vorstellen, wie sich damals die Armenier gefühlt haben müssen, als die politische Verfolgung losging.“ Auch habe er nicht die Geimpften für die Zustände in den Krankenhäusern verantwortlich gemacht. Er habe lediglich gefragt, ob Geimpften nicht auch „ihren Anteil an der Pandemie“ hätten.
In Freiberg reagiert man fassungslos auf die Aussagen von Reuter. Oberbürgermeister Sven Krüger (parteilos) ist über die Äußerungen „einfach nur sprachlos und entsetzt.“ Reuter spreche nicht für die Stadt, stellte Krüger klar: „Er schadet unserer Stadt massiv.“
Krüger erwarte nun von den Mitgliedern des Stadtrats, die Herrn Reuter gewählt hätten, eine „eindeutige“ Positionierung: „Wenn Herr Reuter der Meinung ist, dass sein Platz auf der Seite der ungenehmigten Demonstrationen ist, dann sollte er die Konsequenzen ziehen und sein Amt zur Verfügung stellen. Falls er weiterhin sein Amt ausüben will, erwarte ich noch heute eine öffentliche Klarstellung seiner Äußerungen.“ Die kam mit dem Dementi prompt.
Es ist nicht das erste Mal, dass Reuter innerhalb der CDU negativ auffällt. Im Frühjahr beteiligte er sich an sogenannten „Spaziergängen“ von Corona-Kritikern. Auch dachte er als Ortsvorsitzender bereits über eine Koalition mit der AfD nach.
RND/LVZ/fw



