Merkel-Berater Erich Vad zu Bundeswehr-Leaks:

„Mit dem Taurus kann man den Kreml zerstören“

04.03.2024
Lesedauer: 3 Minuten
Taurus-Marschflugkörper werden von der Bundeswehr abgefeuert. Andrea Bienert/dpa

Nach den von Russland veröffentlichten Bundeswehr-Mitschnitten warnt der Militärexperte Erich Vad vor einer deutschen Kriegsbeteiligung.

Die vom russischen Staatssender RT am Freitag veröffentlichten Mitschnitte führender deutscher Offiziere haben am Wochenende heftige Reaktionen ausgelöst. In den Gesprächen wurden die Machbarkeit und Auswirkungen eines Angriffs auf die Krim mit Taurus-Marschflugkörpern erörtert.

Erich Vad, langjähriger Gruppenleiter im Bundeskanzleramt unter Bundeskanzlerin Angela Merkel, sagte der Berliner Zeitung: „Das Abhören militärischer Informationen gehört zum Auftrag von Geheimdiensten. Wie wir beim Abhören des Handys von Bundeskanzlerin Angela Merkel gesehen haben, geschieht dies auch unter befreundeten Nationen.“ Die mitgeschnittenen Planspiele der deutschen Offiziere seien ein sensibles Thema, sagte Vad. „Aber im geschützten Raum muss man offen über mögliche militärische Einsatzszenarien sprechen und militärische Risiken abwägen können.“

Taurus-Marschflugkörper stechen wegen Reichweite und Zerstörungskraft hervor

„Die Entscheidung von Bundeskanzler Olaf Scholz, keine Taurus-Waffensysteme an die Ukraine zu liefern, halte ich für absolut richtig. Mit dem Taurus kann man den Kreml und damit den russischen Regierungssitz zerstören“, sagte Vad. Die an die Ukraine gelieferten britischen und französischen Systeme verfügten nicht über eine so weite Reichweite und Zerstörungskraft wie die Taurus-Marschflugkörper. „Aus deutscher Sicht wäre eine kurzfristige Taurus-Lieferung und die damit verbundene Bereitstellung von Soldaten, die das Waffensystem bedienen können, eine klare Kriegsbeteiligung.“

Der Bundeskanzler solle seine Entscheidung der Bevölkerung klarer kommunizieren, so Vad. Der Militärexperte weiter: „Ich bin dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron für seine Forderung, eine Entsendung von Nato-Bodentruppen in die Ukraine zu prüfen, dankbar, insofern, dass sie bei allen unseren Verbündeten zu einer klaren Absage geführt hat, Kriegspartei zu werden.“

An den Reaktionen könnte man sehen: „Auch die USA wollen keine direkte Kriegskonfrontation mit Russland.“ Eine Lieferung der Taurus-Systeme wäre zudem eine Steilvorlage für die Falken in Russland, die sich dadurch bestätigt sehen würden, so Vad. Verteidigungsminister Boris Pistorius stehe nun in der Verantwortung, sagte Vad. „Er muss klären, wie es dazu kommen konnte, dass der russische Geheimdienst an die sensiblen Daten gelangen konnte.“

Russland fürchtet den Taurus

Für die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Deutschen Bundestag, Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP) sind die geleakten Gespräche ein weiterer Grund dafür, die Ukraine mit Taurus-Marschflugkörpern auszustatten. „Selbstverständlich muss der Taurus geliefert werden“, sagte sie der Rheinischen Post am Sonntag. Sie hoffe sehr, dass das dem Bundeskanzler und seinen Beratern klar geworden sei „und sie ihre Naivität endlich ablegen“. Deutschland werde von Russland ohnehin längst als Feind betrachtet.

„Russland möchte unter allen Umständen verhindern, dass der Taurus an die Ukraine geliefert wird“, sagte Strack-Zimmermann. „Nachdem der Kanzler die Lieferung des Marschflugkörpers erneut ausgeschlossen hat, die Gründe für seine Ablehnung aber binnen 24 Stunden von Fachleuten widerlegt worden sind, möchte man ihn offensichtlich davon abschrecken, doch noch grünes Licht zu geben, denn Russland fürchtet den Taurus, eben weil er so wirksam ist.“

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