Ukrainischer Botschafter

Melnyk fordert Rostocker Hafenarbeiter zu Boykott von Schiff mit russischer Fracht auf

02.05.2022
Lesedauer: 3 Minuten
Großtanklager Ölhafen Rostock Foto: Bernd Wüstneck / dpa

Der ukrainische Botschafter Andrij Melnyk hat sich mit einem Appell an Hafenarbeiter in Deutschland gewandt. Es geht ihm vor allem um Öllieferungen. Die zuständige Gewerkschaft gibt sich zurückhaltend.

Inmitten der Debatte über ein Ölembargo gegen Russland ruft der ukrainische Botschafter in Deutschland, Andrij Melnyk, die Arbeiter im Hafen von Rostock dazu auf, einen dort ankernden Tanker mit Erdölprodukten aus Russland nicht zu entladen.

Der Öl- und Chemikalientanker »Advantage Point« liegt seit Samstag im Rostocker Hafen. Zwei Tage zuvor hatte er den russischen Ölverladehafen Primorsk verlassen. Nach SPIEGEL-Informationen transportiert er Erdöldestillate und soll am Montag oder Dienstag entladen werden.

»Ich rufe die Ampelregierung, alle Landesregierungen sowie alle deutschen Häfen auf, sämtliche russische Schiffe oder Schiffe mit russischer Ladung – vor allem Öltanker – zu boykottieren«, sagte Melnyk dem SPIEGEL. »An die Hafenarbeiter in Rostock und in anderen deutschen Häfen möchte ich ganz besonders appellieren, die Entladung von russischen Gütern zu blockieren. Diese Maßnahmen sollen dazu führen, die russische Kriegsmaschinerie ins Herz zu treffen und den Vernichtungskrieg gegen die Ukraine schneller zu stoppen.«

Der Hafen in Rostock ist wichtig für die Versorgung der beiden einzigen ostdeutschen Großraffinerien in Schwedt (Brandenburg) und Leuna (Sachsen-Anhalt) mit Rohöl und Vorprodukten wie dem Destillat Gasöl, aus dem Diesel und Heizöl gewonnen werden.

Damit könnte nun auch in Deutschland eine Debatte über den Umgang mit Öltankern aus Russland entbrennen. In den Niederlanden sorgt der Fall der »Sunny Liger« gerade für erhitzte Diskussionen. Schon seit Tagen liegt der mit Gasöl aus Primorsk beladene Tanker »Sunny Liger« vor Amsterdam vor Anker, nachdem sich Hafenarbeiter aus Schweden, Rotterdam und Amsterdam aus Protest gegen den russischen Angriffskrieg geweigert hatten, das Schiff zu entladen.

Sowohl die »Sunny Liger« wie auch die »Advantage Point« fahren unter der Flagge der Marshallinseln – und fallen damit nicht unter das derzeitige Sanktionsregime der EU. Sie operieren also völlig legal. Doch diese Transporte sind zunehmend umstritten, wie die Odyssee der »Sunny Liger« zeigt.

Nachdem Arbeiter im schwedischen Göteborg abgelehnt hatten, den Tanker zu entladen, nahm dieser zunächst Kurs auf Rotterdam. Daraufhin schlug die ukrainische Botschaft in den Niederlanden Alarm. Und die niederländische Hafengewerkschaft FNV blies zum Boykott, obwohl Außenminister Wopke Hoekstra erklärte, es gebe keinen rechtlichen Grund, die Annahme des Schiffs zu verweigern.

Später steuerte das Schiff von Rotterdam nach Amsterdam um, dort aber wurde es ebenfalls zurückgewiesen. Am Montagnachmittag um 14.25 Uhr Ortszeit lag es laut dem Schiffstrackerportal MarineTraffic immer noch mehrere Kilometer vor der niederländischen Westküste; sein Schicksal ist ungewiss. Dagegen wurden in den vergangenen Tagen andere Tanker aus Primorsk in Rotterdam abgefertigt.

Dass es auch in Rostock zu einem Boykott kommt, ist derzeit unwahrscheinlich. Die Gewerkschaft Ver.di äußerte sich gegenüber dem SPIEGEL zurückhaltend zu Melynks Forderungen. »Wir brauchen klare politische Leitlinien zu diesem Thema, dann setzen wir diese sofort um«, sagte Maja Schwiegershausen-Güth, Leiterin maritime Wirtschaft bei Ver.di.

Unterdessen steuert ein weiterer Öltanker aus Primorsk Polen an. Die »Aretea«, die unter griechischer Flagge fährt, soll in der Nacht zum Dienstag Danzig erreichen.

Dieser Ostseehafen wird auch für Deutschlands Ölversorgung zunehmend wichtig. Laut dem gerade veröffentlichten »Zweiten Fortschrittsbericht zur Energiesicherheit« des Bundeswirtschaftsministeriums erhält die Total-Raffinerie in Leuna neuerdings Öllieferungen über den Hafen Danzig – in ihrem Versuch, die Ölimporte aus Russland über die Druschba-Pipeline signifikant zu senken.

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