Demonstrationen

Mehr als 20.000 Menschen bei Protestaktionen in Thüringen

18.10.2022
Lesedauer: 3 Minuten
Zu einer zweiten Demonstration wegen des Ukraine-Krieges und der Energiekrise kamen erneut Hunderte Menschen in Bad Langensalza zusammen. Bildrechte: MDR/Claudia Götze

In Thüringen sind am Montagabend rund 22.700 Menschen auf die Straßen gegangen. In Bad Langensalza folgten Hunderte einem zweiten Demo-Aufruf des parteilosen Bürgermeisters Matthias Reinz.

Trotz Bedenken des Thüringer Innenministeriums hat Reinz erneut zu einer Protestversammlung in Bad Langensalza aufgerufen. 500 Menschen sind am Montag auf den Neumarkt hinterm Rathaus gekommen; vor vier Wochen waren es fast doppelt so viele. Die Rednerliste ist dieses Mal etwas länger. Nach Reinz sprachen auch Bäckermeister Enrico Esche und Stadtführerin Renate Schürch; beide aus Bad Langensalza.

Reinz fehlen Antworten

Er stehe als Bürger Matthias Reinz auf dem Podium, nicht als Bürgermeister, sagte Matthias Reinz zu Beginn der Demonstration vom Montag. Das mache für ihn keinen Unterscheid; wohl aber für das Innenministerium in Erfurt. Von dort habe er nach der letzten Veranstaltung Post bekommen. Nicht etwa, um Hilfen oder Antworten zu bekommen. Vielmehr sei er aufgefordert worden, „eine solche Veranstaltung besser zu unterlassen“, weil diese unter Umständen „rechtswidrig“ sei.

Ein Mann spricht auf einer Kundgebung
Bürgermeister Reinz bei seiner Rede. Bildrechte: MDR/Claudia Götze

Weil aus Erfurt oder Berlin keine Hilfen oder Antworten kommen, stehe er wieder hier. Es gehe um ein gemeinsames Zeichen der Solidarität, sagte er zu seinen Zuhörern, die mit lautem Beifall reagierten.

Nach erster Demo Reaktionen aus ganz Deutschland

Reinz sagt, nach der ersten Demo habe er Nachrichten von Bürgermeistern, Verbandsvorsitzenden und Geschäftsführern erhalten. Ein ranghoher Offizier der Bundeswehr habe ihm geschrieben: „Ich finde es absolut stark, dass Sie und ihre Rede ehrlich und aufrichtig waren. Ich glaube, dass die Menschen das in dieser Zeit genau so brauchen“.

Krisengipel zu Notfallplänen

Wegen des bevorstehenden Winters hat Reinz in dieser Woche zu einem Krisengespräch geladen. Mit Polizei, Feuerwehr, Trinkwasser- und Abwasserzweckverband, Stadtwerken, Krankenhaus und Wohnungsbaugesellschaft wolle er sich austauschen, um gemeinsam über bestehende Notfallpläne zu beraten und sie gegebenfalls anzupassen.

„Die Lage ist dramatischer als vor Wochen, es gibt keine Lösungen und stattdessen Anschläge auf unsere Infrastruktur“, sagte Reinz. Er wolle keine Panik schüren und spiele auch nicht mit den Ängste der Menschen. Er wolle lösungsorientiert handeln, sagte Reinz. Deutschland schlittere offen in eine Rezession; deshalb habe er auch eine Haushaltssperre erlassen.

Derzeit nur Symptome im Blick

Es würden derzeit nur Symptome bekämpft, sagte Reinz. „Preise und Steuern müssen runter mit einer vernünftigen Energie- und Friedenspolitik.“ Er forderte Schutzschirme für die Stadtwerke, den Weiterbetrieb und den Neubau von sicheren Atomkraftwerken.

Bäckermeister hat schlaflose Nächte

Der Bad Langensalzaer Bäckermeister Enrico Esche befürchtet, wegen der Energiekrise in drei Monaten kein Geschäft mehr zu haben. Er stehe stellvertretend für das Handwerk, sagte Esche. Er habe schlaflose Nächte und mache sich Sorgen, wie es weitergehen soll. „Es ist nicht 5 nach 12; es ist um 1!“. Er sei für sechs bis zehn Mitarbeiter verantwortlich. Weil die Rohstoffpreise Woche für Woche steigen, spitze sich die Situation in der Backstube immer weiter zu. Ein so energieintensiver Betrieb könne „kein Brot oder Gebäck in der Sonne backen, sagte Esche angesichts der vielen Energiespartipps. Wenn er die aktuellen Mehrkosten 1:1 umlegen würde, müsste er seine Produkte für das Doppelte oder Dreifach verkaufen.

Die frühere Lehrerin und Stadtführerin Petra Schürch forderte als dritte Rednerin, Schäden von den Menschen abzuwenden und vor allem dafür endlich Konzepte zu entwickeln. Die Ungewissheit werde sonst immer größer.

MDR (dki/CG/rom/co)

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