Der türkische Präsident mischt sich erneut in die Geldpolitik ein und verspricht niedrige Zinsen – mit Folgen für die Landeswährung. Die Inflation liegt bei 20 Prozent.
Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hat in einem Interview des Fernsehsenders TRT niedrigere Zinsen versprochen und damit für den Absturz der türkischen Lira auf einen neuen Tiefstand gesorgt.
Bis zu den für 2023 geplanten Wahlen soll es laut Erdoğan niedrigere Zinsen geben, zudem sei er nicht länger daran interessiert, mit höheren Leitzinsen kurzfristige Investitionen ins Land zu holen.
Die Lira war daraufhin auf ein Rekordtief gefallen, für einen Dollar mussten zeitweise 14,00 Lira gezahlt werden. Die Währung erholte sich aber wieder bis auf 12,42 Lira, ein Anstieg von mehr als acht Prozent am Tag. Das lag auch an der Zentralbank. Diese griff nach eigenen Angaben direkt in den Devisenmarkt ein, „durch Verkaufstransaktionen aufgrund ungesunder Preisformationen bei den Wechselkursen“.
Die Währung der Türkei sinkt schon länger, und die Wirtschaft leidet darunter. Hintergrund sind die wiederholten Interventionen des Präsidenten Erdoğan in die Geldpolitik der Notenbank. Entgegen jeder volkswirtschaftlichen Vernunft vertritt Erdoğan die Ansicht, hohe Zinsen förderten die Inflation. Viele Notenbanker, die sich mehr oder weniger dagegen stellten, mussten bereits gehen.
Gängige Praxis ist es, eine hohe Inflation mit einer Anhebung des Leitzinses zu korrigieren. Doch erst jüngst hatte die türkische Zentralbank die Leitzinsen auf 15 Prozent gesenkt – die Teuerungsrate beträgt zurzeit rund 20 Prozent. In diesem Umfeld scheuen ausländische Unternehmer tendenziell Investitionen in dem Land, was die Wirtschaft zusätzlich belastet.



