Ex-Linkenchef Riexinger attackierte Sahra Wagenknecht wegen ihres Buchs scharf. Nun feuern die Wagenknecht-Anhänger zurück – und rufen dazu auf, die Linke in Baden-Württemberg nicht zu wählen.
Der frühere Vorsitzende der Linken, Bernd Riexinger, wird wegen seiner jüngsten Kritik an Sahra Wagenknecht scharf attackiert. »Wir verurteilen die Sabotage-Kritik von Bernd Riexinger gegen Sahra Wagenknecht aufs Schärfste«, sagte der Vorsitzende der Linken-nahen Alternativgewerkschaft »Social Peace«, Hans-Christian Lange dem SPIEGEL.
Lange rief die Anhänger der Gewerkschaft auf, der Linkspartei in Baden-Württemberg bei der Bundestagswahl Ende September die Stimme zu verweigern: »Wir fordern deshalb unsere Mitglieder in Baden-Württemberg und insbesondere in Stuttgart, bei Daimler, Porsche und Bosch auf, die Partei Die Linke bei der Bundestagswahl zu boykottieren.«
Eigenen Angaben zufolge habe die Gewerkschaft 2000 Mitglieder, 300 davon in Baden-Württemberg. Riexinger tritt für die Linke in Baden-Württemberg auf Platz eins der Landesliste für die Bundestagswahl an.
Der Ex-Vorsitzende habe sich als »Desaster-Demokrat« entlarvt, weil er der Linken mit seiner Wagenknecht-Abrechnung mitten im Wahlkampf schade, sagte Lange weiter. »Sahra Wagenknecht dagegen ist und bleibt die letzte Hoffnung der Arbeiter im demokratischen Spektrum.«
Noch nicht »genug Lack gesoffen« im Wahlkampf
Riexinger hatte bei einer Parteiveranstaltung in einer Zoom-Konferenz am Dienstag gegen die frühere Fraktionsvorsitzende ausgeteilt. Dort wurde ihr Buch »Die Selbstgerechten« besprochen, dessen Thesen Riexinger als »irre« und »abenteuerlich« bezeichnete. Einiges sei »ziemlicher Quatsch«, »völlig falsch«, »ordoliberal«, »weitestgehend faktenlos«, »spießig-reaktionär« und eine »dürftige Analyse«.
Laut Riexinger sei es »brandgefährlich«, dass Wagenknecht in der Öffentlichkeit verbreite, die Linke kümmere sich zu wenig um die soziale Frage, weil es verfangen könnte. Etwa 90 Zuhörerinnen und Mitdiskutanten nahmen an dem Termin teil.
Wenn im Wahlkampf noch nicht genug Lack gesoffen wurde! Das gibt bestimmt nochmal richtig Rückenwind – nicht! https://t.co/0E8CKAEsD0
— Fabio De Masi 🦩 (@FabioDeMasi) August 10, 2021
Auch aus der Linken-Bundestagsfraktion gab es Kritik an der Veranstaltung. So schrieb Fabio De Masi auf Twitter: »Wenn im Wahlkampf noch nicht genug Lack gesoffen wurde! Das gibt bestimmt noch mal richtig Rückenwind – nicht!« Der Abgeordnete Diether Dehm schrieb: »Wenige Parteivorsitzende der bundesrepublikanischen Geschichte mussten mit so vielen Wahlschlappen fertig werden wie Bernd Riexinger.« Deswegen bewundere er dessen »Kühnheit«, kurz vor der Bundestagswahl Wagenknecht als »brandgefährlich« abzuurteilen.
Riexinger richtete sich auf der Zoom-Konferenz auch gegen Wagenknechts Anhänger. Diese würden bei Kritik »um sich schlagen«, man werde von ihnen »pauschal beleidigt und angriffen«.
Die Lager um Wagenknecht und Riexinger gelten seit vielen Jahren als tief verfeindet. Die neuen Parteivorsitzenden Janine Wissler und Susanne Hennig-Wellsow bemühen sich derzeit, den Konflikt zu entspannen. So will Hennig-Wellsow Wagenknecht und deren Ehemann Oskar Lafontaine im Wahlkampf einbinden und absolviert Ende August einen Wahlkampftermin mit dem Paar in ihrem Wahlkreis in Thüringen.



