Gefahr von Long Covid

Lauterbach warnt wegen Zwei-Personen-Studie

07.06.2022
Lesedauer: 2 Minuten
Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach warnte am Montag auf Twitter vor den Folgen von Long Covid Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa

Virologe Klaus Stöhr: Studie „vollständig ungeeignet“

Gesundheitsminister Karl Lauterbach (59, SPD) warnt auf Twitter vor den Folgen einer Long-Covid-Erkrankung – und zieht dafür eine Studie heran, die nur mit zwei Personen durchgeführt wurde.

In einem Tweet am Montag schreibt Lauterbach: „Es verdichten sich die Studienhinweise, dass Long Covid oft mit andauernder Entzündung des Gehirns einhergeht.“ Als Beleg führt der Gesundheitsminister eine Studie der Freien Universität Amsterdam an. Hauptautorin ist Denise Visser von der Abteilung für Neurowissenschaften.

Das Problem: An der Studie haben lediglich zwei Probanden teilgenommen, die Kontrollgruppe bestand aus drei Personen. Zum einen eine niederländlische Frau Ende fünfzig sowie ein niederländischer Mann Mitte sechzig. Beide infizierten sich bereits 2020 mit Corona, leiden bis heute an Konzentrationsschwäche und anhaltender Erschöpfung durch die Infektion. Beide Personen waren zum Zeitpunkt der Infektion ungeimpft, infizierten sich wahrscheinlich mit dem Wildtyp des Virus, nicht der nun dominanten Omikron-Variante.

Bei der Studie handelt es sich außerdem um einen sogenannten Preprint. Eine unabhängige Prüfung der Vorabveröffentlichung steht noch aus.

Stöhr zu BILD: Studie „vollständig ungeeignet“

Für das Heranziehen der Studie erntet Lauterbach nun harsche Kritik. Ein Twitter-User schrieb: „Bitte löschen Sie diese unverantwortliche Desinformation.“ Der Tweet erhielt bisher über 4700 Likes und damit genauso viele wie der Ursprungs-Tweet von Lauterbach.

Und nicht nur auf Twitter, sondern auch aus Fachkreisen kommt Widerspruch: Zum Beispiel vom Virologen Klaus Stöhr (63, ehemals WHO), der erst vor wenigen Tagen den Charité-Virologen Christian Drosten (49) im Sachverständigenausschuss zur Wirkung des Corona-Maßnahmen ersetzte.

Virologe und Epidemiologe Klaus Stöhr
Virologe und Epidemiologe Klaus Stöhr Foto: Starnick Niels

Stöhr zu BILD: „Die Studie mit den zwei Fällen ist aus patho-physiologischer Sicht interessant. Allerdings ist sie vollständig ungeeignet, um auf die Bedeutung von Long Covid zu verweisen; nicht nur wegen der geringen Stichprobengröße.“

Er wirft Lauterbach vor: „Aber die Überschrift scheint in das Narrativ gepasst zu haben. Für Kenner der Materie scheint es ja nicht das erste Mal zu sein, dass Herr Lauterbach selektiv zitiert, um seinen Punkt zu machen.“

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