Altkanzler Schröder

»Krieg ist nur durch diplomatische Verhandlungen zu beenden«

10.07.2022
Lesedauer: 2 Minuten
Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder: »Der Krieg ist nur durch diplomatische Verhandlungen zu beenden« Foto: Kay Nietfeld / dpa

Gerhard Schröder will seinen Kontakt zu Wladimir Putin nicht aufgeben – das bekräftigte er im Gespräch mit der »FAZ«. An eine militärische Lösung des Kriegs in der Ukraine glaubt der Altkanzler demnach nicht.

Altbundeskanzler Gerhard Schröder will seinen Draht zu Russlands Präsident Wladimir Putin trotz des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine aufrechterhalten. »Ich werde meine Gesprächsmöglichkeiten mit Präsident Putin nicht aufgeben«, sagte Schröder der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ)« .

Vor dem Hintergrund der Debatte über Waffenlieferungen an die Ukraine sagte der ehemalige Kanzler: »Warum konzentriert man sich auf die Lieferung von Waffen?« Er glaube nicht an eine militärische Lösung. »Der Krieg ist nur durch diplomatische Verhandlungen zu beenden. Das Schicksal der Soldaten und der ukrainischen Zivilbevölkerung ist nur über eine diplomatische Lösung zu erleichtern.«

»Interesse an einer Verhandlungslösung«

Schröder ist seit seiner Zeit als Kanzler von 1998 bis 2005 eng mit Putin befreundet. Rund zwei Wochen nach Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine reiste der Sozialdemokrat im März nach Moskau , um mit dem Kremlchef zu sprechen. »Soweit ich ihn in meinem Gespräch verstanden habe, gibt es bei ihm ein Interesse an einer Verhandlungslösung«, sagte Schröder nun. »Wie eine solche Lösung aussieht, kann nur in einer Verhandlung geklärt werden.«

In dem »FAZ«-Bericht hieß es, Schröder habe im Gespräch mit der Zeitung deutlich gemacht, dass Verhandlungen seiner Auffassung nach bislang an der Ukraine gescheitert seien. Die Zeitung berichtete zudem Details von Schröders Moskaureise – und nannte dabei auch Punkte, die Schröder Putin vorgetragen habe, wie es zu einem Frieden kommen könne.

Der Altbundeskanzler steht seit Jahren wegen seines Engagements für russische Staatskonzerne in der Kritik. Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine hat der Druck auf ihn immer weiter zugenommen, die SPD-Spitze ging auf Distanz, es liegen mehrere Anträge auf Parteiausschluss vor.

Schröder hatte im Mai schließlich angekündigt, den Aufsichtsrat des russischen Energieriesen Rosneft zu verlassen, und eine Nominierung für einen Aufsichtsratsposten bei Gazprom ausgeschlagen.

Über SPD-Chef Lars Klingbeil, der seine Freundschaft zu Schröder für beendet erklärt hatte, sagte der frühere Kanzler: »Das ist enttäuschend. Das meint er wohl dem Amt schuldig zu sein.« mar/dpa

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