„Das geht zu weit“

Kiew fordert nach Klinik-Beschuss Einschreiten der Nato im Ukraine-Krieg

11.07.2024
Lesedauer: 2 Minuten
Krankenhausbetten stehen vor dem Kinderkrankenhaus von Okhmatdyt, das am Montag von russischen Raketen getroffen wurde. © Anton Shtuka /AP/dpa

Nach dem russischen Angriff auf ein Kinderkrankenhaus in Kiew fordert die Ukraine eine „starke Reaktion“ der westlichen Verbündeten.

Washington, D.C./Kiew – Der dreitägige Nato-Gipfel zum 75-jährigen Bestehen in Washington steht ganz im Zeichen des Ukraine-Kriegs. Die zentrale Frage lautet: Wie kann Kiew bei der Verteidigung gegen die russische Invasion weiter unterstützt werden? Eine Abgeordnete des ukrainischen Parlaments hat klare Vorstellungen.

Kurz vor dem Start des Nato-Gipfels gingen schreckliche Bilder aus der Ukraine um die Welt. Am Montag (8. Juli) traf eine russische Rakete in Kiew das größte Kinderkrankenhaus des Landes und rief Entsetzen hervor. Zwei Erwachsene starben, darunter eine Ärztin. Dass Kinder „nur“ verletzt und nicht getötet wurden, grenzt an ein Wunder. Das Personal hatte die kleinen Patientinnen und Patienten kurz vor dem Angriff im Bunker in Sicherheit gebracht.

Ukrainische Abgeordnete fordert nach Klinik-Beschuss „starke Reaktion“ von Nato

„Das geht zu weit – gezielt auf krebskranke Kinder zu schießen. Ich weiß nicht, wo bei dieser Brutalität und diesem Terror die roten Linien verlaufen, denn es war Absicht“, sagte die Abgeordnete der Partei Europäische Solidarität, Marija Ionowa, der US-Nachrichtenseite Newsweek.

Sie forderte eine „starke Reaktion“ der westlichen Verbündeten der Ukraine und der Nato. „Leider wird es nur dann Frieden geben, wenn wir mehr Langstreckenraketen, Luftabwehr und F-16-Kampfflugzeuge bekommen, um uns zu schützen und die russische Militärinfrastruktur zu zerstören“, sagte sie weiter. Auch der Luftwaffenkommandeur Mykola Oleshchuk forderte bei Telegram eine Verstärkung der Luftverteidigung.

Biden verspricht Kiew für Ukraine-Krieg mehr Luftabwehr-Systeme

Beim US-Präsidenten fand sie offenbar gleich Gehör. Bei einem Festakt zum 75-jährigen Bestehen der Nato versprach Joe Biden, der wegen seinem verpatzten TV-Duell gegen Donald Trump unter besonderer Beobachtung steht, der Ukraine zusätzliche Ausrüstung zur Abwehr russischer Luftangriffe.

Die USA, Deutschland, Rumänien, Italien und die Niederlande sprachen in einer gemeinsamen Erklärung vom Dienstag (9. Juli) zur Unterstützung im Ukraine-Krieg von „zusätzlichen“ Patriot-Luftabwehrsystemen sowie Dutzenden taktischen Luftabwehrsystemen wie Nasams und Iris-T.

Der scheidende Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg warb noch einmal für deutlich mehr Hilfe und die Aufnahme der Ukraine in das Verteidigungsbündnis. Der polnische Ministerpräsident Donald Tusk überraschte vor dem Gipfel mit seiner Aussage, man könne sich vorstellen, russische Raketen über der Ukraine abzuschießen, die dicht an den polnischen Luftraum herankommen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte bei dem Treffen in Warschau, man wolle diesbezüglich einen Mechanismus ausarbeiten.

Russland verbreitet in den sozialen Medien unterdessen seine eigene Propaganda vom Angriff auf das Kinderkrankenhaus in Kiew, unterstützt auch von deutschen rechtsextremen Kanälen. (mt)

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