Katars Energieminister behauptet in einem Interview, Robert Habeck habe das Thema Menschenrechte nie erwähnt: Dem Grünen sei es nur um Gas gegangen. Nancy Faesers »One Love«-Binde findet Al-Kaabi respektlos.
Die WM in Katar rückt das Thema Menschenrechte und den Umgang mit queeren Menschen im Land in den Mittelpunkt. Nun hat sich der katarische Energieminister Saad Scherida Al-Kaabi in einem Interview geäußert. In dem Gespräch mit »Bild TV« , das am Dienstag veröffentlicht wurde, erhob er Vorwürfe gegen Wirtschaftsminister Robert Habeck, kritisierte Innenministerin Nancy Faeser und äußerte sich zum Umgang mit LGBTQ-Personen im Land.
»Als Muslime glauben wir daran, dass LGBTQ nicht akzeptabel ist in unserer Religion«, sagte Al-Kaabi dem Sender: »Das islamische Gesetz akzeptiert LGBTQ nicht.« Die englische Abkürzung LGBTQ steht für lesbisch, schwul, bisexuell, transgender und queer.
»Der Westen will uns das diktieren, was er will«
Möglichen Änderungen im Umgang mit homosexuellen Menschen in seinem Land infolge der Fußball-WM erteilte Al-Kaabi eine Absage. Internationale Kritik an der Haltung Katars in dieser Frage wies er zurück. »Der Westen will uns das diktieren, was er will«, sagte er. Es werde verlangt, »dass wir als Katarer uns verändern müssen. Dass wir unsere Religion, unseren Glauben ändern müssen.« Dies sei »nicht akzeptabel«.
Auch auf den Stadionbesuch von Innenministerin Faeser (SPD) mit der »One Love«-Binde wurde Al-Kaabi angesprochen. »Ich glaube nicht, dass es von Menschen begrüßt wurde. Wenn ich als Regierungsvertreter ein anderes Land besuche und weiß, dass das Land von einer speziellen Geste angegriffen ist, dann würde ich das respektieren«, antwortete der Minister. Deutlich wurde er zudem mit Blick auf Wirtschaftsminister Habeck.
»Als er hier in Katar war, war das Einzige, worüber er gesprochen hat, ob wir mehr Gas liefern können«
Katars Energieminister über Robert Habeck
Der Grünenpolitiker hatte Katar im Sommer besucht, Anlass der Reise waren Gespräche über Gaslieferungen aus dem Land. Das Thema Menschenrechte habe Habeck laut Al-Kaabi dabei nicht angesprochen. »Als er hier in Katar war, war das Einzige, worüber er gesprochen hat, ob wir mehr Gas liefern können«, so Al-Kaabi. Am Dienstag unterzeichnete Katars Energieminister schließlich einen Gasdeal , durch den Deutschland in Zukunft beliefert werden soll. Ab 2026 liefert Katar jährlich zwei Millionen Tonnen LNG-Flüssiggas in die Bundesrepublik.
Zudem warf der katarische Minister Habeck Respektlosigkeit vor. Angesprochen auf die Aussage des deutschen Wirtschaftsministers, dass die WM-Austragung in Katar nur »durch Korruption erklärt werden« könne, sagte er: »Wenn man jemanden der Korruption beschuldigt, muss man Beweise vorzeigen. Man ist juristisch haftbar, wenn man sagt, dass jemand korrupt ist.« Habeck solle »mehr Respekt vor Katar und der katarischen Bevölkerung haben«.
asc/AFP



