Özdemir plant Werbe-Verbot

Jetzt soll sogar Natur-Joghurt ungesund sein!

14.06.2023
Lesedauer: 3 Minuten
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Mit einem knallharten Werbeverbot für ungesunde Lebensmittel will Landwirtschaftsminister Cem Özdemir (57, Grüne) Übergewicht bei Kindern bekämpfen. Immerhin 15 Prozent der 3- bis 17-Jährigen sind zu dick.

Allerdings will Özdemir nicht nur an Kinder gerichtete Werbung für Schokolade, Chips und Co. verbieten. Sein überarbeiteter Gesetzentwurf (Stand 12. Juni) würde auch Werbung für fast alle Molkereiprodukte auf den Dick-Mach-Index stellen und extrem einschränken.

Özdemirs Beamte haben die Höchstwerte für Salz, Fett, Zucker angepasst. Das Ministerium beruft sich auf das Nährwert-Profil der Weltgesundheitsorganisation für Europa.

Beispiel Käse und Quark: Nur noch 17 statt 20 Gramm Gesamtfett dürfen 100 Gramm Käse beinhalten. Das grenzt an ein völliges Werbeverbot für Käse!

► Almette Frischkäse hat 25 Gramm Fett

► Philadelphia Kräuter 20 Gramm

► Leerdammer 27,5 Gramm

► Bio-Gouda 27 Gramm

Bauernpräsident Joachim Rukwied regt das maßlos auf: „Milch, Käse, Joghurt oder Quark gehören zu einer gesunden und ausgewogenen Ernährung. Es ist schlichtweg grotesk, wenn man solch wertvolle Nahrungsmittel mit Verboten überzieht“, so Rukwied zu BILD. „So langsam reicht es mit der Ernährungsbevormundung!“

Bei Butter wurde der Höchstwert für gesättigte Fettsäuren zwar um 1 Gramm auf 21 Gramm angehoben. Allerdings fällt damit normale Butter (Beispiel Biobutter von Arla mit 35 Gramm) weiter unters Werbeverbot.

Bauernbpräsident Rukwied ist sauer auf Özdemir:
Bauernpräsident Rukwied ist sauer auf Özdemir: „Es reicht mit der Ernährungsbevormundung!“
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„Jetzt geht’s ans Butterbrot. Nun soll sogar die Werbung für Käse und Butter verboten werden. Verbraucher werden wie unmündige Kinder behandelt. Dabei gibt es kaum Besseres als eine Stulle mit heimischen Produkten“, kritisiert Gitta Connemann (59, CDU), Chefin der Mittelstandsunion.

Nur noch Magerjoghurt in der Werbung

Auch beim Joghurt hat es eine leichte Anpassung angegeben: Der Fettgehalt auf 100 Gramm darf jetzt 3 statt 2,5 Gramm betragen. Damit wird der klassische Naturjoghurt aus 3,5- oder 3,8-prozentiger Milch weiter als ungesund eingestuft. Für Fruchtjoghurt gilt eine Obergrenze für gesättigte Fettsäuren von einem Gramm – sie haben aber in der Regel 1,7 bis 2 Gramm.

Im Gesetzentwurf schreibt das Özdemir-Ministerium, eine geringfügige Änderung der Rezeptur würde bei vielen Lebensmitteln dazu führen, dass „eine Bewerbung auch gegenüber Kindern zulässig wäre“.

Dummerweise gilt das eben NICHT für Käse und Joghurt – hier wäre künftig nur noch die Werbung für fettreduzierte Diätvarianten möglich.

„Hoffen auf Einsicht“

Eckhard Heuser, Hauptgeschäftsführer des Milchindustrie-Verbands kritisiert in BILD: „Leider will das Ministerium viele Produkte verbieten, die zu einem guten Essen dazugehören. Werbung für Erdbeerjoghurt soll verboten werden, obwohl Fruchtjoghurt oft der einzige Weg ist, Kinder zum Joghurtessen zu bewegen. Selbst ganz normale Käsesorten wie Edamer, Voll-Joghurt und Butter fallen unter das Verbot. Das ist nicht hinnehmbar.“

Im Ministerium will man das nicht so gemeint haben. „Werbung für Natur-Joghurt, Butter oder Käse bleibt weiterhin grundsätzlich erlaubt, wenn sich diese nicht an Kinder richtet“, sagt ein Ministeriumssprecher.

DENN: „Unser Ziel ist es, die Gesundheit von Kindern zu schützen.“

Wie viel Zucker ist eigentlich in Nutella? – Infografik
Quelle: info.bild.de

Im Gesetzentwurf klingt das aber anders. Dort soll ein umfassendes Werbeverbot gelten: im TV und Radio zwischen 6 und 23 Uhr, für Plakate im Umkreis von 100 Metern von Schulen, Kitas und Freizeiteinrichtungen, in sozialen Netzwerken wie Instagram, TikTok, Youtube.

Verstöße gegen das Werbeverbot sollen hart bestraft werden: Özdemirs Haus will Geldbußen bis 30 000 Euro.

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