in Zeichen von Vielfalt – oder von Einfalt?
Die Domstadt Köln, eines der wichtigsten Zentren des katholischen Glaubens in Deutschland, lässt für die nächsten zwei Jahre den muslimischen Muezzin-Ruf im gesamten Stadtgebiet zu.
Alle 35 Kölner Moscheen können damit jeden Freitag zwischen 12 und 15 Uhr für fünf Minuten zum Gebet aufrufen und über Lautsprecher verkünden: „Es gibt keinen anderen Gott außer Allah!“
Kölns OB Henriette Reker (64, parteilos) feierte das „Modellprojekt“ auf Twitter als „Zeichen des Respekts“. Schließlich werde jeder Reisende in der Domstadt „vom Dom begrüßt und von Kirchengeläut begleitet“. Als „weltoffene Stadt“ wolle Köln nun auch die „berechtigten religiösen Interessen“ von Muslimen schützen.
Viel Diskussion wg des Modellprojekts #Muezzin-Ruf. Köln ist die Stadt der (religiösen) Freiheit & Vielfalt. Wer am Hbf ankommt, wird vom Dom begrüßt und von Kirchengeläut begleitet. Viele KölnerInnen sind Muslime. Den Muezzin-Ruf zu erlauben ist für mich ein Zeichen des Respekts
— Henriette Reker (@HenrietteReker) October 9, 2021
Kritiker watschte Reker vorsorglich ab: „Wer das anzweifelt, stellt die Kölner Identität und unser friedliches Zusammenleben infrage“.
► Muezzin-Rufe in Köln – Islam-Experten sind skeptisch. Sie werfen Reker vor, das eigentliche Problem zu missachten. „Es geht nicht um ‚Religionsfreiheit‘ oder ‚Vielfalt‘, wie Bürgermeisterin Reker behauptet“, sagt Integrationsexperte Ahmad Mansour (45). „Die Betreiber der Moscheen wollen Sichtbarkeit. Sie feiern den Muezzin als Machtdemonstration über ihre Viertel.“
Schon bei der Planung der umstrittenen Ditib-Moschee in Köln-Ehrenfeld gab es bundesweite Debatten um Größe und Bedeutung des Riesenbaus (eingeweiht 2018) für die Domstadt. Verdacht: Der von Erdogan eröffnete Prunkbau diene seiner Propaganda.
► Ablehnung von Muezzin-Rufen kommt auch von der CSU. Vizegeneralsekretär Florian Hahn zu BILD: „In Bayern wollen wir solche Modellversuche jedenfalls nicht. Sie sind nicht Teil unserer abendländischen Tradition. Zur islamischen Religionsausübung werden Gebetsrufe auch nicht gebraucht.“
Hinzu kommt laut Kritikern: Der Gebetsruf (er ist auch in anderen deutschen Städten erlaubt) sei mit dem Glockengeläut nicht vergleichbar. Der Muezzin verkünde religiöse Slogans („Alahu Akbar“ – Gott ist größer), die Glocken mahnten dagegen nur wortlos zu Gebet oder Kirchgang.
Was ruft eigentlich der Muezzin?
Der Muezzin geht auf die Frühzeit des Islam (7. Jahrhundert) zurück: Damals wurde der Gebetsaufrufer damit beauftragt, die Gläubigen zu den täglichen fünf Pflichtgebeten zu rufen. Dabei ruft der Muezzin unter anderem „Allahu akbar“ (Allah ist groß) und „Ich bezeuge, dass es keinen Gott gibt außer Allah“ – gefolgt von der Aufforderung, zum Gebet zu kommen.
Der Gebetsaufruf gilt als hohe Kunst, einige besonders talentierte Rufer erlangen mitunter große Bekanntheit. Um möglichst viele Muslime zu erreichen, ertönt der Ruf des Muezzin oft vom Minarett einer Moschee.


