Emma Watson hat ein Bild einer propalästinensischen Demo geteilt – und so eine Debatte ausgelöst. Eine prominente Stimme wirft ihr Antisemitismus vor. Doch die Schauspielerin erhält auch Rückhalt.
Wo hört Solidarität mit der Lage der Palästinenser auf – und wo fängt Antisemitismus an? Anhand eines Instagram-Postings der Harry-Potter-Schauspielerin Emma Watson wird diese Frage nun erneut öffentlich ausgehandelt.
Unter anderem der ehemalige israelische Botschafter bei den Vereinten Nationen, Danny Danon, warf der 31-Jährigen Judenfeindlichkeit vor. Danon, der einst auch Wissenschaftsminister im Kabinett Benjamin Netanyahus war, schrieb: »10 Punkte von Gryffindor dafür, ein Antisemit zu sein«. Gryffindor ist eines der vier Häuser von Hogwarts, dem Internat aus den Harry-Potter-Büchern. In ihrer Rolle als Hermine Granger gehörte Watson dem Haus Gryffindor an.
Watson hatte zuvor ein Foto einer propalästinensischen Demonstration gepostet, das den Spruch »Solidarität ist ein Verb« zeigt. Sie zitierte dazu die britische Wissenschaftlerin und Aktivistin Sara Ahmed, die der BDS-Bewegung nahestehen soll. Diese will den Staat Israel wirtschaftlich, kulturell und politisch isolieren.
10 points from Gryffindor for being an antisemite.@EmmaWatson pic.twitter.com/Qaqkx36JSg
— Danny Danon 🇮🇱 דני דנון (@dannydanon) January 3, 2022
Auch der derzeitige israelische Uno-Botschafter Gilad Erdan äußerte sich kritisch. »Die Fiktion mag in Harry Potter funktionieren, aber sie funktioniert nicht in der Realität«, wurde Erdan vom Sender CNN zitiert. »Wenn es so wäre, könnte die Magie, die in der Welt der Zauberer verwendet wird, die Übel der Hamas (die Frauen unterdrückt und die Vernichtung Israels anstrebt) und der Palästinensischen Autonomiebehörde (die den Terror unterstützt) beseitigen. Das würde ich befürworten!«
In Deutschland stieß Watsons Posting ebenfalls auf Kritik. Die Präsidentin der jüdischen Studierendenunion, Anna Staroselski, twitterte: »Die Enttäuschung darüber, dass sie eine BDS-Unterstützerin zitiert und BDS legitimiert, ist groß. Womöglich hat sie sich in der Bibliotheks-Abteilung ›magische Fehlinformationen‹ vergriffen?«
Die konservative britische Politikerin Sayeeda Warsi dagegen verteidigte Watson und ihren Post. »Solidarität mit Palästinensern zu zeigen, ist kein Antisemitismus«, schrieb Warsi, die 2010 zur ersten muslimischen Ministerin ihres Landes berufen worden war. Sie nannte die Kritik »erschreckend« und sprach von ständigen Versuchen, Unterstützung für Palästinenser zu unterdrücken.
Leah Greenberg, Co-Chefin von Indivisible Project, einer 2016 als Reaktion auf Trumps Wahlsieg gegründeten gemeinnützigen Organisation, kann die Kritik an Watsons Posting ebenfalls nicht nachvollziehen. Sie sprach von einer Demonstration, »wie zynisch und in böser Absicht Antisemitismus als Waffe eingesetzt wird, um grundlegende Solidaritätsbekundungen mit dem palästinensischen Volk zu unterbinden«.
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