Krieg gegen Israel

Israels Armee tötet mehrere Hisbollah-Mitglieder – 100 Leichen in Kibbuz entdeckt

10.10.2023
Lesedauer: 4 Minuten
Die islamistische Hamas hat mit der Ermordung israelischer Geiseln gedroht, sofern es Angriffe auf sogenannte „zivile“ Ziele im Gaza-Gebiet geben sollte. Die Hamas hat bei ihrem Großangriff Hunderte Menschen ermordet und über 100 aus Israel entführt. Paul Ronzheimer ordnet die Geschehnisse ein. Quelle: WELT

Während Israel nach dem blutigen Hamas-Angriff die Lage am Gazastreifen einigermaßen unter Kontrolle bekommt, droht eine weitere Eskalation an der nördlichen Grenze zum Libanon. In einem völlig zerstörten Kibbuz wurden unterdessen zahlreiche Tote geborgen.

Nach dem Großangriff der islamistischen Hamas aus dem Gazastreifen ist die Zahl der Toten in Israel laut Medienberichten auf 900 gestiegen. Wie das Pressebüro der Regierung mitteilte, wurden rund 2600 Menschen verletzt.

Allein in dem völlig zerstörten Kibbuz Be‘eri nahe des Gazastreifens mit rund 1000 Einwohnern wurden am Montag, dem ersten Tag der Suche, mehr als 100 Leichen geborgen, wie Medien unter Berufung auf Rettungskräfte meldeten. Dort werden weitere Todesopfer befürchtet.

Nach Angaben von Israels Präsident Izchak Herzog wurden seit dem Holocaust nicht mehr so viele Juden an einem Tag getötet wie bei den Terrorattacken der Hamas am Samstag. „Seit dem Holocaust haben wir nicht mehr erlebt, wie jüdische Frauen und Kinder, Großeltern – sogar Holocaust-Überlebende – in Lastwagen gepfercht und in die Gefangenschaft gebracht wurden“, sagte er nach Angaben seines Sprechers.

Hamas-Kämpfer verschleppten nach jüngsten Angaben der israelischen Regierung etwa 150 Menschen aus Südisrael in den Gazastreifen. Unter den Verschleppten sich nach Angaben des Auswärtigen Amtes auch Menschen mit deutscher Staatsbürgerschaft. Die Terrorgruppe drohte mit der Hinrichtung von Geiseln, sollte Israel den Gazastreifen ohne Vorwarnung aus der Luft angreifen.

Bei israelischen Luftangriffen als Reaktion auf den Großangriff wurden im Gazastreifen nach Angaben des dortigen Gesundheitsministeriums mindestens 687 Menschen getötet und mehr als 3800 verletzt.

Israels Armee greift Ziele im Libanon an

Auch mehrere Hisbollah-Mitglieder wurden am Montag durch israelischen Beschuss getötet. Drei Kämpfer seien infolge der „zionistischen Aggression“ ums Leben gekommen, teilte die schiitische Terrororganisation am Abend mit. Die Hisbollah feuerte daraufhin Raketen auf den Norden Israels ab, das israelische Militär antwortete mit Artilleriefeuer. Israels Armee hatte am Nachmittag mit Kampfhubschraubern Ziele der Hisbollah im Libanon angegriffen.

Ein israelischer Apache-Kampfhubschrauber am Montag im Norden des Landes
Ein israelischer Apache-Kampfhubschrauber am Montag im Norden des Landes
Quelle: REUTERS

Israelische Soldaten hatten zuvor eigenen Angaben nach mehrere bewaffnete Männer erschossen, die vom nördlichen Nachbarland aus nach Israel vorgedrungen waren. Die eng mit dem Iran verbündete Hisbollah dementierte eine Beteiligung an dem Vorfall.

Am Abend bekannten sich die radikal-islamische Al-Kuds-Brigaden zum Angriff aus dem Libanon. Dies sei Teil eines größeren Vorstoßes. Sieben „zionistische Soldaten“ seien verletzt worden. Die Hisbollah hatte am Sonntag die Verantwortung für einen Raketenbeschuss aus dem Südosten Libanons auf israelisches Grenzgebiet übernommen.

Israel mobilisiert 300.000 Reservisten

Am Vormittag hatte die israelische Armee nach eigenen Angaben die Kontrolle in den von der Hamas angegriffenen Orten zurückerlangt. „Wir haben die Kontrolle über die Orte“, sagte Armeesprecher Daniel Hagari, allerdings könnten sich noch Terroristen in der Region aufhalten. Es gebe weiterhin vereinzelte Zusammenstöße mit Kämpfern der Hamas, sagte ein Militärsprecher.

Medienberichten zufolge war es in der israelischen Stadt Sderot in einem Schwimmbad zu heftigen Schusswechseln gekommen. Es gab mehrere israelische Verletzte. Das israelische Militär teilte mit, die Fallschirmjägerbrigade befinde sich in einem „hartnäckigen Kampf“. Sderot liegt etwa einen Kilometer vom Gazastreifen entfernt.

Israel mobilisiert nach dem Großangriff rund 300.000 Reservisten. Dies sei die größte Mobilisierung in der israelischen Geschichte in so kurzer Zeit, bestätigte ein Armeesprecher. „Wir haben noch nie so viele Reservisten in einem solchen Umfang einberufen“, sagte Militärsprecher Daniel Hagari. „Wir gehen in die Offensive.“

Die israelische Armee geht in Position an der Grenze zum Gazastreifen
Die israelische Armee geht in Position an der Grenze zum Gazastreifen
Quelle: AFP/JACK GUEZ

Israel verschärfte außerdem die Maßnahmen gegen den von der Hamas kontrollierten Gazastreifen. Verteidigungsminister Joaw Gallant kündigte eine „totale Blockade“ des Gebiets mit etwa 2,3 Millionen Menschen an. Dies schließe ein Einfuhrverbot für Lebensmittel und Treibstoff ein.

Im Westjordanland kam es am Montag zu Auseinandersetzungen. Bei Zusammenstößen mit israelischen Sicherheitskräften wurden nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Ramallah drei Palästinenser getötet.

Der Überfall der Hamas am Wochenende war der schwerste Angriff auf Israel seit dem Jom-Kippur-Krieg vor genau 50 Jahren. Die im Gazastreifen herrschende Palästinenserorganisation hatte ihren Großangriff am Samstagmorgen überraschend gestartet. Sie schoss tausende Raketen auf Israel ab und drang nach Angaben der israelischen Armee mit schätzungsweise Tausend Kämpfern in israelisches Staatsgebiet ein.

US-Präsident Joe Biden erklärte am Montagabend, dass elf US-Bürger bei dem Angriff am Wochenende getötet wurden. Das Außenministerium in Paris teilte mit, dass zwei Franzosen unter den Todesopfern sind.

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