Schlecht finanzierte Forschung

In einem wichtigen Punkt liegen fast alle Klima-Modelle daneben

06.03.2024
Lesedauer: 3 Minuten
Studie sieht Permafrostböden kurz vor Kipppunkt (Bildquelle: Vladimir Melnik / stock.adobe.com)

Ein riesiges Manko der Klimaforschung bereitet US-Forschern Sorgen. Die Experten warnen, dass fehlende Permafrost-Daten zu Fehleinschätzungen führen – und die Klimamodelle in der Wissenschaft deshalb zu optimistisch sind.

Die in der Klimawissenschaft verwendeten Modelle sind mehr als komplex. Zahlreiche externe Faktoren und Daten spielen eine wichtige Rolle und müssen von den Forscherinnen und Forschern beachtet werden, um die Entwicklung des Klimawandels so genau wie möglich zu analysieren. Ob ausgestoßenes CO2, das Wetterphänomen El Nino, austrocknende Moore oder die gesteigerte Oberflächentemperatur im Nordatlantik – zahlreiche Faktoren müssen bedacht werden. Und wegen fehlenden Daten zu einem bestimmten Klima-Faktor befürchten US-Forscher nun Ungenauigkeiten mit potenziell verheerenden Folgen.

Es geht um die Permafrostböden, eine der wichtigsten natürlichen CO2-Speicher der Erde. Durch die globale Erderwärmung tauen diese Frostböden auf und setzen tonnenweise CO2 sowie das noch viel klimaschädlichere Methan frei – was den Klimawandel noch weiter anheizt. In der Klimaforschung gehören die tauenden Permafrostböden zu den gewichtigsten Kippelementen im Klimawandel.

In einem wichtigen Punkt liegen fast alle Klima-Modelle daneben

Doch über dieses wohl wichtigste Kippelemente weiß die Klimawissenschaft noch zu wenig, beklagen US-Forscher in einem Beitrag im Fachmagazin „Nature“. Die Forscher des Woodwell Climate Research Center aus dem Bundesstaat Massachusetts kritisieren, dass die meisten Erdsystem-Modellierungen den Kohlenstoffkreislauf der Permafrostböden gar nicht oder zu vereinfacht miteinbeziehen. Denn was Permafrostböden angeht, fehlen genauere Daten. 

Das Problem: Diese Klimamodelle nutzt der Weltklimarat als Grundlage für den großen IPCC-Bericht, anhand dessen auch an die Regierungen Handlungsempfehlungen ausgesprochen werden. Demnach warnen die US-Forscher, dass falsche Schlüsse gezogen werden könnten und die Klimamodelle zu optimistisch seien. Tatsächlich haben nur zwei der elf Erdsystemmodelle (ESMs), die für den letzte IPPC-Bericht verwendet wurden, überhaupt die Auswirkungen der tauenden Permafrostböden berücksichtigt.

„CO2 in den Permafrostböden sind größte Unbekannte für das zukünftige Klima“

„Was mit dem Kohlenstoff im Permafrost passiert, ist eine der größten Unbekannten für unser zukünftiges Klima“, sagte Christina Schaedel vom Woodwell Climate Research Center, die Hauptautorin des Berichts. Deshalb fordert das Team um Schaedel in dem Beitrag im „Nature“-Magazin eine bessere finanzielle Unterstützung für die Forschung der Permafrostböden. 

„Erdsystemmodelle sind von entscheidender Bedeutung für die Vorhersage, wo, wie und wann dieser Kohlenstoff freigesetzt wird, aber Modellierungsteams verfügen derzeit nicht über die Ressourcen, die sie benötigen, um Permafrost genau darzustellen“, schreibt Schaedel. „Wenn wir genauere Klimavorhersagen wollen, muss sich das ändern.“ 

Die US-Forscher fordern, dass die Permafrostboden-Forschung künftig besser finanziert werden muss, um wichtige Klimavorhersagen nicht zu verzerren. Ein Grund für diese Lücken liegt in der Finanzierung und den Zeitrahmen der Forschung. Die Entwicklung von Klimamodellen erfordert komplexe Arbeit über mehrere Jahre, aber die meisten Forschungsgelder werden nur für drei Jahre bewilligt. Dieser kurze Zeitrahmen reicht oft nicht aus, um die komplexen Modelle zu verbessern und neue Erkenntnisse zu integrieren.

Der Mitautor des Gastbeitrags David Lawrence vom National Center for Atmospheric Research erklärt, dass die begrenzte Finanzierung dazu führt, dass viele Projekte unvollendet bleiben. Er betont die Notwendigkeit von mehr Ressourcen, um die Modellentwicklung voranzutreiben. Dies sei wichtig, um mit den komplexen Veränderungen des Klimas Schritt zu halten.

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