Ehefrauen des Asow-Regiments wenden sich an Papst

„Helfen Sie uns, unsere Männer zu retten“

12.05.2022
Lesedauer: 4 Minuten
Papst Franziskus mit Piotr Verzilov und den Ehefrauen der Kämpfer des Asow-Regiments, Julia Fedosiuk und Kateryna Prokopenko Papst Franziskus mit Piotr Verzilov und den Ehefrauen der Kämpfer des Asow-Regiments, Julia Fedosiuk und Kateryna Prokopenko Foto: HANDOUT/AFP

Mit einem verzweifelten Hilferuf haben sich die Frauen zweier Soldaten des ukrainischen Asow-Regiments an Papst Franziskus gewandt. Ihr Ziel: ihre Männer und andere Soldaten aus dem belagerten Stahlwerk in Mariupol zu befreien.

Die beiden Frauen, Kateryna Prokopenko und Yulya Fedosiuk, hätten demnach Franziskus bei der Generalaudienz am Mittwoch um Hilfe gebeten, ihre Männer zu retten. Das berichteten internationale Medien, unter anderem die italienische Zeitung „Corriere della Sera“.

Auch der russisch-kanadische Künstler und Aktivist Piotr Verzilov, der als inoffizieller Sprecher der Band Pussy Riot bekannt wurde, war bei der Audienz dabei.

„Wir bitten den Papst und Onufrij (Anm. d. Redaktion: Oberhaupt der nach Russland orientierten Orthodoxen Kirche), sich als dritte Partei in diesen Krieg einzuschalten und uns zu helfen, ein Verfahren einzuleiten, um sie herauszuholen. Wir hoffen, dass sichere Korridore eingerichtet werden, um sie in ein Drittland zu evakuieren, wo sie ein normales Leben führen können“, zitiert die italienische Zeitung den Hilferuf der Frauen.

Seit Wochen verharren ihre Männer, die ukrainischen Kämpfer, in dem von russischen Truppen umzingelten und beschossenen Stahlwerk. Denys Prokopenko ist Oberstleutnant der Nationalgarde der Ukraine und Kommandeur des der Nationalgarde unterstellten Regiments Asow. Arseniy Fedosiuk ist Mitglied des Regiments.

Ein Blick auf die zerstörten Anlagen des Asow-Stahlwerks in Mariupol
Ein Blick auf die zerstörten Anlagen des Asow-Stahlwerks in Mariupol Foto: ALEXANDER ERMOCHENKO/REUTERS

Papst soll vermitteln

Am Mittwochmorgen standen die beiden Frauen der Kämpfer also in der ersten Reihe auf dem Petersplatz: Sie hatten zwei Briefe und einige Fotos dabei, die sie dem Papst überreichen wollten. Und tatsächlich schafften sie es, fast fünf Minuten mit dem Papst zu sprechen.

„Er hat uns gesagt, dass er sich der Situation bewusst ist und dass er für sie beten und alles Mögliche tun wird“, berichteten die Frauen bei ihrem Treffen mit Journalisten vor dem Pressesaal des Vatikans.

„Wir haben den Papst gebeten, in die Ukraine zu kommen und mit Putin zu sprechen“, berichtet Yuliya Fedosiuk.

Kateryna Prokopenko (rechts), Ehefrau des Kommandeurs des Asow-Regiments Denys Prokopenko, und Yuliia Fedosiuk (zweite von rechts) im Gespräch mit Papst Franziskus
Kateryna Prokopenko (rechts), Ehefrau des Kommandeurs des Asow-Regiments Denys Prokopenko, und Yuliia Fedosiuk (zweite von rechts) im Gespräch mit Papst Franziskus Foto: Domenico Stinellis/AP

Die Gegenwart sei voller Angst und Leid: „Die letzte Nachricht, die mir mein Mann schickte, bestand aus drei Worten: Ich liebe dich. Ich habe ihm auch geantwortet, dass wir versuchen, euch alle zu retten. Aber wir sind sehr traurig, denn wir wissen nicht, was morgen oder in drei Stunden passieren wird. Wir wissen, dass die Russen den Angriff stündlich fortsetzen, und wir wissen nicht, was wir denken und tun sollen, wir warten nur darauf, dass die Welt, unsere Regierung, jemand uns hilft und eingreift, um ihr Leben zu retten.“

Kateryna Prokopenko (r.) und Yulia Fedosiuk (l.) zeigen während eines Interviews mit der Associated Press in Rom auf ihren Handys Fotos ihrer Ehemänner
Kateryna Prokopenko (r.) und Yulia Fedosiuk (l.) zeigen während eines Interviews mit der Associated Press in Rom auf ihren Handys Fotos ihrer Ehemänner Foto: Alessandra Tarantino/AP

Die Frauen berichteten der italienischen Zeitung zufolge, dass den Männern im Stahlwerk allmählich das Wasser ausginge. Der Kämpfer Arseniy Fedosiuk habe seine Frau demnach gebeten, nach einem Artikel zu suchen, wie man möglichst lange ohne Wasser überleben kann.

„Ich habe Angst, ihn zu verlieren, und ich bin auch wütend auf mich selbst, weil ich nichts tun kann, es ist schrecklich, was da passiert: in Azovstal ist es wie in einer Reality-Show, und niemand hilft uns, deshalb hoffen wir auf den Papst, er ist unsere letzte Hoffnung“, so Fedosiuk.

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