Die Umweltorganisation Greenpeace spricht von einer nicht geplanten Notlandung. Doch ein Experte mit der Erfahrung von Tausenden von Flügen sagt, der Überflug über das Stadion wäre selbst bei einem Ausfall des Motors noch machbar gewesen.
er Greenpeace-„Aktivist“ ist nach Überzeugung eines Gleitschirmexperten zu Beginn des EM-Fußballspiels Deutschland–Frankreich bewusst in die Münchner Allianz-Arena geflogen und hat dabei Menschen gefährdet. „Aus seiner Flughöhe hätte er selbst bei einem Ausfall des Motors das Stadion überfliegen können. Er hätte locker abdrehen können. Er wollte ganz sicher bewusst im Stadion landen“, sagte Thomas Vosseler, selbst aktiver Gleitschirmsportler, Gründer und Eigentümer des führenden deutschen Gleitschirmausrüstungsanbieters U-Turn.
Der Unternehmer widersprach damit der Behauptung von Greenpeace über eine angebliche Notlandung des Piloten im Stadion.
Wörtlich hatte Greenpeace in einer Kurznachricht behauptet: „Der Pilot wollte einen Ballon ins Stadion schweben lassen, musste dann aber dort notlanden, da die Handgassteuerung des Gleitschirms versagt hat.“ Greenpeace entschuldigte sich für die angeblich so nicht geplante Aktion. Der Gleitschirm habe einen Elektroantrieb gehabt, was Experte Vosseler bestätigte. Der in der Schweiz entwickelte Antrieb stamme aber nicht aus seinem Unternehmen.
Mit dem verwendeten Gleitschirm sei es möglich, zehn Meter weit zu fliegen und dabei nur einen Meter an Höhe zu verlieren, sagte Vosseler, der selbst bereits Tausende Flüge absolviert hat, auf WELT-Anfrage. Mit Rückenwind seien noch größere Entfernungen möglich.
Daher hätte der Pilot ohne Probleme das Stadion überfliegen können, ist der Experte überzeugt. Die Flugbahn zeige eindeutig, dass er bewusst in das Stadion einfliegen wollte. Der Gleitschirmflieger habe auf alle Fälle auch gegen die komplette Sperrung des Luftraums um die Allianz-Arena verstoßen.
Bei der Bruchlandung des Piloten in der Allianz-Arena wurden zwei Personen leicht am Kopf verletzt. Laut Polizeiangaben handelt es sich bei dem Piloten um einen 38-Jährigen aus Pforzheim.
Gegen ihn werde jetzt wegen Straftaten aus dem Luftverkehrsgesetz sowie Körperverletzungsdelikten und Hausfriedensbruch ermittelt. Durch die Aktion sei eine erhebliche Anzahl von Personen gefährdet worden, sagte ein Polizeisprecher.
Nach Ansicht des Gleitschirmexperten hatte der Gleitschirmpilot selbst großes Glück, weil er in der Allianz-Arena in ein gespanntes Seil geflogen ist, was vermutlich abriss. Andernfalls wäre er bereits aus großer Höhe abgestürzt. Insgesamt lobte Vosseler die Flugkünste des Piloten. „Der konnte richtig gut fliegen“, sagte der Experte auf WELT-Anfrage.
Mit dem Gleitschirm und Antrieb könne man vom Boden aufzusteigen. Bei Elektroantrieb sei es möglich, grob eine Stunde in der Luft zu bleiben, stark abhängig von der Windstärke.


