Japan

Früherer Regierungschef Shinzo Abe bei Anschlag schwer verletzt

08.07.2022
Lesedauer: 3 Minuten
Einsatzkräfte am Ort des Anschlags auf Shinzo Abe © Kyodo/​Reuters

Der rechtskonservative Politiker ist während einer Wahlkampfrede angeschossen worden. Sein Zustand sei kritisch. Der mutmaßliche Schütze wurde am Tatort festgenommen.

Auf den früheren japanischen Regierungschef Shinzo Abe ist ein Anschlag verübt worden. Nach Angaben von Regierungssprecher Hirokazu Matsuno wurde auf ihn „gegen 11.30 Uhr“ in der Stadt Nara im Westen des Landes geschossen. Der mutmaßliche Schütze sei festgenommen worden. Der Zustand von Abe sei „ernst“, sagte der amtierende Regierungschef Fumio Kishida. Das Motiv für den Anschlag sei noch nicht bekannt.

Japanischen Medien berichten, Abe habe lebensgefährliche Verletzungen und auf dem Weg ins Krankenhaus einen Herz-und Atemstillstand erlitten. Der Nachrichtenagentur Jiji zufolge wurde der frühere Regierungschef von hinten im Brustbereich getroffen und sei zusammengebrochen.

Täter soll früherer Soldat sein

Vom Sender NHK ausgestrahlte Aufnahmen zeigen, wie Abe auf einer Bühne steht, als ein lauter Knall zu hören und Rauch in der Luft zu sehen ist. Anschließend wird in Mann von Sicherheitskräften überwältigt. Auf anderen Videoaufnahmen von Reportern sind zwei Schüsse deutlich zu hören.

Wie NHK unter Berufung auf auf Quellen im Verteidigungsministerium berichtet, soll ein früheres Mitglied der Selbstverteidigungsstreitkräfte des Landes hinter dem Attentat stecken. Er soll bis 2005 drei Jahre lang der Marine des Landes angehört haben. In Nara soll der 41-Jährige mit einer selbstgebastelten Schusswaffe von hinten zwei Schüsse auf Abe abgefeuert haben. Er sei noch am Tatort festgenommen worden.

Abe hatte Japan vom Dezember 2012 bis September 2020 regiert und war damit der am längsten amtierende Premier des Landes. Unter ihm war Japan deutlich nach rechts gerückt.

Kritik gab es auch an seiner Haltung zur pazifistischen Nachkriegsverfassung, die er revidieren will. So heißt es in Artikel 9 der Verfassung : Japan verzichte „für alle Zeiten auf den Krieg als ein souveränes Recht der Nation und auf die Androhung oder Ausübung von Gewalt als Mittel zur Beilegung internationaler Streitigkeiten“. Abe sieht darin nicht die Verfassung einer unabhängigen Nation, da sie 1946 von der Besatzungsmacht USA aufgezwungen worden sei.

Oberhauswahl am Sonntag – Regierung setzt Krisenstab ein

Der Angriff ereignete sich bei einer Wahlkampfveranstaltung Abes in der nördlichen Präfektur Yamagata. In Japan finden am Sonntag Wahlen zum Oberhaus statt. Abe war 2020 zurückgetreten, ist aber noch eine wichtige Figur in der regierenden Liberaldemokratischen Partei (LDP). Am Sonntag muss sich sein Parteifreund Kishida der Wahl im japanischen Oberhaus stellen. 

Dieser brach nun seinen eigenen Wahlkampf umgehend ab und flog nach Tokio zurück. Kabinettssekretär Hirokazu Matsuno sagte, alle andern Kabinettsmitglieder seien ebenfalls auf den Rückweg in die Hauptstadt. Die Regierung richte einen Krisenstab ein.

US-Außenminister Antony Blinken äußerte sich erschüttert über das Attentat. „Dies ist ein sehr, sehr trauriger Moment“, sagte Blinken am Rande des G20-Treffens auf der indonesischen Insel Bali. Die USA seien „zutiefst besorgt“.

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