China

Fehlender Coronatest – Schwangere wird nicht behandelt und erleidet Fehlgeburt

06.01.2022
Lesedauer: 3 Minuten
Eine Frau lässt sich in der Stadt Xi'an auf das Coronavirus testen Foto: Uncredited / dpa

China handelt in der Pandemie rigide. Nun sorgt das Vorgehen in der Stadt Xi’an für Kritik. Eine Schwangere verlor offenbar ihr Kind – ihr war wegen eines fehlenden Coronatests die Behandlung verweigert worden.

Die chinesische Millionenstadt Xi’an macht seit Tagen Schlagzeilen. Nach zahlreichen Infektionen versucht die Regierung dort erneut mit drastischen Maßnahmen, die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen – die Metropole befindet sich im Lockdown. Das strikte Vorgehen hat nun jedoch offenbar auf andere Art ein Menschenleben gekostet.

Laut einem in den sozialen Medien kursierenden Bericht hat eine Frau in Xi’an vor einer Klinik eine Fehlgeburt erlitten, weil ihr wegen eines abgelaufenen Coronatests die Behandlung verweigert worden war. Eine weitere Einwohnerin von Xi’an berichtete von einem ähnlichen Vorfall im Zusammenhang mit ihrem an einem Herzinfarkt gestorbenen Vater.

Bekannt geworden war der Fall der im achten Monat Schwangeren durch einen Onlinepost von deren Nichte Anfang Januar. Demnach wurde der Frau wegen des fehlenden gültigen Tests zwei Stunden lang der Zutritt zum Gaoxin-Krankenhaus verweigert. Ein im Internet veröffentlichtes Foto zeigte sie auf einem Plastikhocker sitzend, umgeben von einer Blutlache.

Krankenhausdirektor und Leiter der Ambulanz wurden suspendiert

Die Nachricht wurde später aus den Onlinediensten gelöscht. Ihr Inhalt ließ sich nicht von unabhängiger Seite überprüfen, das Krankenhaus ließ Anfragen der Nachrichtenagentur AFP unbeantwortet. Die Stadtregierung gab am Donnerstag bekannt, dass der Generaldirektor des Gaoxin-Krankenhauses, Fan Yuhui, suspendiert und die Leiter der Ambulanz und der medizinischen Abteilung entlassen wurden. Der Vorfall habe »in der Gesellschaft Besorgnis ausgelöst und schwerwiegende soziale Auswirkungen gehabt«, hieß es.

Bereits am Mittwoch hatten Beamte die Einrichtung von Schnellzugängen zu Krankenhäusern für Schwangere oder Patienten in kritischem Zustand angekündigt.

Der Leiter der Gesundheitskommission von Xi’an, Liu Shunzhi, bat für den Vorfall öffentlich um Entschuldigung. Das Krankenhaus wurde nach Angaben der Stadtverwaltung zudem angewiesen, »versteckte Gefahren in seinen Arbeitsabläufen zu beseitigen«.

Weitere Berichte kursieren in chinesischen Medien

Die Fehlgeburt war offenbar nicht der einzige tragische Fall im Zusammenhang mit den Coronabeschränkungen. Eine weitere Frau berichtete in den Onlinenetzwerken ebenfalls, dass sie ihr Kind verloren habe, nachdem sie von mehreren Krankenhäusern abgewiesen worden sei. Eine weitere Einwohnerin von Xi’an machte am Donnerstag zudem über Onlinenetzwerke das Martyrium ihres Vaters öffentlich. Dieser war nach einem Herzinfarkt »aufgrund der Pandemie-Vorschriften« in keiner Klinik aufgenommen worden – bis ihm nicht mehr geholfen werden konnte. Unabhängig überprüft wurden die Berichte bislang nicht.

China verfolgt in der Coronapandemie eine strikte Null-Covid-Strategie mit rigiden Maßnahmen wie Grenzschließungen, der Abriegelung ganzer Millionenstädte und Massentests. In Xi’an war nach einem Coronaausbruch vor zwei Wochen ein strenger Lockdown verhängt worden. Die Beschränkungen führten bereits zu Versorgungsproblemen und Lebensmittelknappheit.

Nach offiziellen Angaben hat das Land seit Pandemiebeginn nur 100.000 Infektionsfälle und rund 4600 Todesfälle verzeichnet. Am Donnerstag meldeten die Behörden 189 Neuinfektionen binnen 24 Stunden, davon 63 in Xi’an. 

fek/dpa/AFP

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