Erfolgreiche Fahndung

Ex-RAF-Terroristin Daniela Klette festgenommen

27.02.2024
Lesedauer: 3 Minuten
Bildquelle: tagesschau.de

Mehr als 30 Jahre lang war sie untergetaucht – nun wurde die ehemalige mutmaßliche RAF-Terroristin Daniela Klette in einer Wohnung in Berlin festgenommen. Die Polizei stellte offenbar Munition und einen italienischen Pass sicher.

Die unter anderem wegen versuchten Mordes gesuchte Daniela Klette ist festgenommen worden. Die ehemalige mutmaßliche Terroristin der linksextremistischen Rote Armee Fraktion (RAF) sei in Berlin gefasst worden, teilte die Staatsanwaltschaft im niedersächsischen Verden mit.

Klette wurde nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa von der Polizei aus Niedersachsen am Montagabend in einer Wohnung im Berliner Stadtteil Kreuzberg festgenommen. Die Wohnung im siebengeschossigen Mietshaus nahe der früheren Grenze zwischen West- und Ost-Berlin werde derzeit von Kriminaltechnikern untersucht. Das Landeskriminalamt Niedersachsen und die Staatsanwaltschaft Verden kündigten eine gemeinsame Pressekonferenz am Nachmittag an.

Offenbar Munition in Wohnung gefunden

Die Staatsanwaltschaft hatte vor der Festnahme eine Fahndung nach der 65-Jährigen veröffentlicht und um Mithilfe gebeten. Nach Informationen des „Spiegel“ wurde Klette durch Fingerabdrücke identifiziert. Sie soll einen italienischen Reisepass benutzt haben, berichtet das Magazin. In der Wohnung sei zudem Munition gefunden worden.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt nach eigenen Angaben seit 2015 gegen Klette sowie gegen zwei weitere Ex-RAF-Mitglieder – Ernst-Volker Staub und Burkhard Garweg.

Seit 30 Jahren flüchtig

Die Behörden werfen Klette, Staub und Garweg versuchten Mord und eine Serie schwerer Raubüberfälle zwischen 1999 und 2016 vor. Die Tatorte lagen demnach in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Überfälle nicht politisch motiviert waren. Das seit mehr als 30 Jahren flüchtige Trio soll versucht haben, sein Leben im Untergrund mit den Überfällen zu finanzieren.

Klette steht nach Informationen der dpa im Verdacht, an einem Schusswaffen-Angriff auf die US-Botschaft in Bonn 1991 beteiligt gewesen zu sein. Vermutet wird außerdem eine Beteiligung an einem Sprengstoffanschlag auf die Justizvollzugsanstalt Weiterstadt 1993. Spuren deuten darauf hin, dass sie auch bei der Anti-Terror-Aktion 1993 im mecklenburgischen Bad Kleinen am Tatort war. Bei der Aktion starben damals der Polizist Michael Newrzella und der RAF-Mann Wolfgang Grams. Die frühere RAF-Terroristin Birgit Hogefeld wurde verhaftet.

Zuletzt erbat die Staatsanwaltschaft Verden am 14. Februar Hinweise zu früheren Terroristen der RAF in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY … ungelöst“. Einige Tage später gab es dann einen Fehlalarm, als in einem Regionalzug in Wuppertal ein Mann fälschlich für das ehemalige RAF-Mitglied Ernst-Volker Staub gehalten wurde.

Dritte Generation der RAF

Die RAF kämpfte mehr als 20 Jahre mit Gewalt gegen das angeblich „imperialistische System“ der Bundesrepublik. Von 1971 bis 1993 töteten Terroristen 34 Menschen, darunter auch Repräsentanten von Wirtschaft und Politik wie Generalbundesanwalt Siegfried Buback und Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer. Mehr als 200 Menschen wurden durch die terroristische Vereinigung verletzt.

Klette, Staub und Garweg werden der sogenannten dritten RAF-Generation zugeordnet. Vertreter dieser Generation sollen den damaligen Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Alfred Herrhausen, und den amtierenden Treuhand-Chef, Detlev Karsten Rohwedder, umgebracht haben.

Der Sprengstoffanschlag gegen die Baustelle der JVA Weiterstadt im März 1993 war der letzten RAF-Anschlag. Mehr als 200 Kilogramm Sprengstoff zerstörten drei Unterkunftsgebäude und den Verwaltungstrakt der im Bau befindlichen Anstalt. Menschen wurden nicht verletzt. Der Sachschaden betrug 80 bis 90 Millionen Deutsche Mark. Im April 1998 verkündete die RAF ihre Auflösung.

Dieses Thema im Programm:Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 27. Februar 2024 um 12:10 Uhr.

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