EU-Boss will Welt verbessern, doch verpulvert 700 000 Euro für Privatjet-Flüge

Europas unverschämtester Klima-Heuchler

24.04.2023
Lesedauer: 4 Minuten
EU-Ratspräsident Charles Michel fliegt gerne Privatjet Foto: Aurel Obreja/AP

… und jetzt will er sogar noch mehr Geld

Die Europäische Union (EU) hat sich dem Green Deal verschrieben, will eigentlich das Klima schützen.

Doch EU-Ratspräsident Charles Michel (47) scheint das Ganze alles andere als ernst zu nehmen, verpulverte 2022 Hunderttausende Euro für Flüge mit Privatjets!

Was eine Klima-Heuchelei!

► Eine Aufstellung der französischen „Le Monde“ zeigt: Michel hat im vergangenen Jahr mindestens (!) 700 000 Euro allein für Flüge mit Privatjets der Firma „Luxaviation“ ausgegeben.

Brisant: Auch auf sehr gut von kommerziellen Anbietern bedienten Flugrouten innerhalb Europas steigt der EU-Ratspräsident lieber in den Privatjet.

  • 26.1.2022 – Wien, Treffen mit Kanzler Karl Nehammer Hin- und Rückflug: 20 533 Euro
  • 9.2.2022 – Berlin, Treffen mit Bundeskanzler Olaf Scholz Hin- und Rückflug: 37 500 Euro
  • 16.2.2022 – Paris, Abendessen (Thema: Terror in der Sahelzone) Hin- und Rückflug: 35 750 Euro
  • 2022 – 5 Flüge nach Straßburg zum Europäischen Parlament (je 12 250 bis 35 000 Euro)
  • November 2022 – Klimagipfel (!) „COP27“, Ägypten: Hinflug zusammen mit Ursula von der Leyen: 103 632 Euro Rückflug: 50 550 Euro
  • 1.12.2022 – Peking, Treffen mit Xi Jinping Hin- und Rückflug: 460 000 Euro
Privatjet-Reisen von Charles Michel - Infografik
Quelle: info.bild.de

► Die bei Weitem teuerste Reise nach China wurde von Michel mit den in der Volksrepublik noch geltenden Corona-Maßnahmen begründet. „Es war nicht möglich, einen kommerziellen Flug zu buchen, da der Präsident und seine Delegation aufgrund der Covid-Bestimmungen in China nach der Ankunft zwei Wochen lang unter Quarantäne gestellt werden mussten“, erklärte der Rat.

Der Besuch missfiel mehreren europäischen Hauptstädten, darunter auch Paris und Berlin, die ihn zum damaligen Zeitpunkt nicht für notwendig hielten.

Lieber mit dem Privatjet als mit dem Zug

Zudem reiste Michel nach Brest in Frankreich zum „One Ocean Summit“, einem Treffen zum Schutz der Ozeane. Der EU-Ratspräsident flog aber lieber mit dem Jet, anstatt den Zug zu nehmen.

► Neben seinen etlichen Privatjet-Reisen hat Michel 2022 lediglich dreimal den Zug genommen. Selbst für Reisen nach Paris – eine Stunde und zwanzig Minuten auf der Schiene – nimmt der EU-Ratspräsident lieber ein Auto mit Fahrer.

Eine Tatsache, die mit Blick auf die EU-Ansprüche, bis 2050 klimaneutral zu sein, auch in den eigenen Reihen nur schwer zu rechtfertigen ist.

Dazu kommt: Michel reist selten allein, bringt fast immer große Delegationen mit zu internationalen Treffen und Gipfeln. Allein beim Versailles-Gipfel am 10. und 11. März 2022 reiste er mit 22 Mitarbeitern und seiner Frau an.

Charles Michel will mehr Geld für seine Reisen

Und: Charles Michel will mehr Geld für seine Reisen, das berichtet „Politico“ mit Verweis auf ein EU-Dokument vom 1. März dieses Jahres.

► Demnach soll das Budget 2024 für die EU-Ratspräsidentschaft um 27,5 Prozent auf satte 2,6 Millionen Euro steigen. Begründung: der Krieg in der Ukraine und die daraus folgende „intensive internationale Tätigkeit“.

Denn: „Wir müssen den Drittländern unsere Sanktionen gegen Moskau erklären und gegen Putins Behauptung ankämpfen, sie seien für die Inflation verantwortlich“, zitiert „Politico“ das Dokument.

Allein für die Reisen von Michel und seine Delegationen werden demnach etwa 1,985 Millionen Euro veranschlagt – eine Erhöhung um mehr als ein Drittel im Vergleich zum Budget dieses Jahres.

Zum Vergleich: seine Vorgänger Herman Van Rompuy (2010-2014) und Donald Tusk (2014-2019) überschritten in ihrer Position als EU-Ratspräsidenten die Summe von 500 000 Euro nicht, während das Budget bei unter einer Million Euro lag.

EU-Ratspräsident vermutet Kampagne gegen ihn

Nach dem Bericht von „Le Monde“ vermutet Charles Michel eine Kampagne gegen ihn.

„Es gibt wahrscheinlich einen Versuch der Destabilisierung oder Einschüchterung, der sich einerseits gegen mich und andererseits gegen den Rat richtet. Ich glaube, dass die verstärkte Rolle des Rates und der EU auf der internationalen Bühne eine Reihe von Akteuren beunruhigen könnte“, so Michel zur französischen Zeitung „La Libre“.

Und weiter: „Ich kann nicht ausschließen (…), dass sich einige bereits um die Spitzenposten bemühen.“

Bei den Wahlen des Europäischen Rates 2024 kann sich Charles Michel nicht erneut zur Wahl stellen, seine Amtszeit als Präsident ist auf 5 Jahre begrenzt.

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