Erdogan: Angeblich etliche Türken mit Dienstausweisen nach Deutschland reingeschmuggelt

25.05.2021
Lesedauer: 3 Minuten
Die Türkei unter Präsident Erdogan in Erklärungsnot: Wie konnten der Menschenschmuggel nach Deutschland passieren? Foto: picture alliance / AA | Mustafa Kamaci

Es war zunächst nur eine böse Vermutung. Jetzt hat es das Bundesinnenministerium auf Anfrage des Grünen-Abgeordneten Cem Özdemir bestätigt: Es gibt Erkenntnisse über einen systematischen Menschenschmuggel aus der Türkei nach Deutschland. Seit Anfang des Jahres ermittelt die Bundespolizei und die Bundesregierung führt nun ernste Gespräche mit der Erdogan-Regierung. Sie will sich das nicht länger bieten lassen!

Die Regierung von Erdogan hat mittlerweile reagiert und versucht den Schmuggel zu unterbinden, denn das Schleusernetzwerk funktionierte ausgerechnet über staatliche Dienstpässe!

Erdogan erfährt Druck: Angeblich etliche Türken mit Dienstausweisen nach Deutschland eingeschmuggelt und untergetaucht

Zuerst berichtete unter anderem die „Augsburger Allgemeine“ über die Affäre. Demnach reisten insbesondere Menschen aus den osttürkischen Provinzen Bingöl, Elazig, Malatya und Mus mittels „grauer Dienstpässe“ nach Deutschland ein, obwohl sie gar nicht im Staatsdienst waren. Als Delegationen getarnt kamen sie ins Land und tauchten dann ab. Alleine aus Bingöl sollen rund 500 Menschen nach Deutschland gereist sein.

Erdogan-Kritiker Cem Özdemir (Grüne) stellte eine Anfrage an die Bundesregierung.
Foto: IMAGO / Political-Moments

Das Schleusernetzwerk sei hierzu auf türkische Gemeinden zugegangen und habe um die Ausstellung dieser Dienstpässe gebeten. Als Tarnung wurden Einladungen aus Deutschland vorgezeigt, etwa zu Umwelt-, Sport- oder Kulturveranstaltungen. Rund 6000 bis 8000 Euro hätten die Einreisenden pro Person für den Transfer nach Deutschland zahlen müssen, wo sie sich dann absetzten. Es soll sich um Hunderte Personen handeln.

Menschenschmuggel aus der Türkei: Bundesregierung will sich das von Erdogan-Regierung nicht mehr bieten lassen

Die Bundesregierung bestätigte nun auf Anfrage des Grünen-Abgeordneten Cem Özdemir, dass sie darüber Erkenntnisse hat und die Bundespolizei Ermittlungen aufgenommen hat. „Der Modus Operandi der Einreise türkischer Staatsangehöriger unter mutmaßlich missbräuchlicher Nutzung von türkischen Dienstpässen, sog. ‚Graue Pässe‘, ist der Bundesregierung bekannt“, heißt es in dem Antwortschreiben der Regierung.

Die Türkei unter Präsident Erdogan in Erklärungsnot: Wie konnten der Menschenschmuggel nach Deutschland passieren?
Foto: picture alliance / AA | Aytac Unal

Demnach seien seit August 2020 „insgesamt 89 türkische Staatsangehörige“ festgestellt worden, „bei denen der Verdacht bestand, dass sie türkische Dienstpässe missbräuchlich für die Einreise in das Bundesgebiet verwendet haben“. Ermittelt wird nun auch, welche Unterstützer es in Deutschland gab.

Im April 2021 habe die Bundesregierung wegen der Vorfälle vertrauliche Gespräche mit türkischen Regierungsvertretern geführt. Die Erdogan-Regierung handelte nun! „Für Nichtbeamte, die für Projekte lokaler Verwaltungen ins Ausland reisen, hat die Türkei die Ausstellung von Dienstpässen ausgesetzt“, teilte das Bundesinnenministerium auf Anfrage Özdemirs mit.

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