Planloser Wiederaufbau an der Ahr

Drei Monate nach Flut droht den Menschen in der „blauen Zone“ die nächste Schocknachricht

10.11.2021
Lesedauer: 3 Minuten
Angesichts zunehmender Extremwetter-Ereignisse müssen aus Sicht der Versicherungsbranche alle Wohngebäude gegen Elementarschäden versichert werden. Boris Roessler/dpa

Seit der Flutkatastrophe sind 17 Wochen vergangen und dennoch läuft der Wiederaufbau schleppend. Unzählige Menschen verloren ihre Bleibe – und es ist ungewiss, wie viele wieder dort bauen dürfen, wo einst ihre Häuser waren. Die Hochwasser-Risikokarten werfen noch immer Fragen auf.

Ein Albtraum jagt den nächsten. Erst riss die Flut im Juli das Haus unzähliger Menschen mit sich und zerstörte den Traum vom Eigenheim. Dann folgten der Schock und die Ungewissheit. Wo kommt man unter? Wiederaufbauen oder Wegziehen? Wo darf man bauen? Wann kommen unter welchen Bedingungen die Gelder? Wie geht es weiter?

Einige dieser Fragen hat das Land Rheinland-Pfalz Ende September bei der Wiederaufbaukonferenz beantwortet. Gemeinsam mit der Oberen Landesbehörde wurden Risikokarten für das Ahrtal erstellt. Die gelbe Zone ist dabei unmittelbares Sperrgebiet, dort dürften abgerissene und noch abzureißende Häuser nicht wiederaufgebaut werden. Eine erneute Flutgefahr sei dort zu hoch. Davon seien 34 Häuser im Ahrtal betroffen, erklärte damals der Landesbeauftragte für Wiederaufbau Günter Kern.

Mehr als 34 Häuser dürfen nicht wiederaufgebaut werden

Jedoch folgt nun Wochen nach der Wiederaufbaukonferenz die Schocknachricht. Denn der Wiederaufbau könnte mehr als den 34 angekündigten Häusern verwehrt bleiben. Mehr noch: auch bei Häusern der „blauen Zone“ ist der Aufbau ungewiss. „Es gibt unterschiedliche Konstellationen und neue Entwicklungen“, sagt die rheinland-pfälzische Umweltministerin Anne Spiegel in der „Rhein-Zeitung“.

„Manche Häuser sind doch stärker in ihrer Statik beschädigt wurden als ursprünglich angenommen“, erklärt Spiegel. Wenn die Häuser abgerissen werden würden, erlische der Bestandschutz. Dann dürften diese Häuser an dieser Stelle nicht mehr wiederaufgebaut werden. Eine endgültige Zahl wolle Anne Spiegel jedoch nicht nennen. Es gebe noch immer sich ändernde Umstände und Konstellationen, wie sie sagt: „Ich treffe nach wie vor noch Leute, die direkt nach der Katastrophe gesagt haben, sie wollten dort wohnen bleiben, die das jetzt aber skeptischer sehen.“

SGD Nord – Hochwasser-Risiko-Karte der Gemeinde Schuld

Auch der Umweltstaatssekretär Erwin Manz bewertet die Zahl der Häuser nochmal neu. „34 Häuser war nur ein Zwischenstand. Dazu kommen noch x-weitere Häuser, bei denen der Wiederaufbau nicht möglich sein wird“, prognostiziert er und erklärt, dass dafür auch die Genehmigung der Oberen Wasserbehörde benötigt werde.

Geld bekommen nur Menschen, die zerstörtes Haus wieder aufbauen wollen

Die Nicht-Genehmigung der Wasserbehörde könne auch Häuser der „blauen Zone“ treffen. Dies sei abhängig von der Einstauhöhe, also dem Pegelstand den eine Flutwelle im Ahrtal an den jeweiligen Stellen erreichen könnte.
Für die Berechnung der Einstauhöhe ist das Landesamt für Umwelt zuständig, jedoch seien laut Landesministerium für Umwelt die genaue Datenlage und die Berechnungen dafür noch offen. „Die wichtigen Zahlen ändern sich ständig“, so Erwin Manz.

Eines sei jedoch sicher: Geld bekommen nur die Menschen, welche beschließen, ihr zerstörtes Gebäude wiederaufzubauen. „So die Vorgaben des Bundes“ betont Manz. Senioren, welche nach der Flut nicht mehr ihr Haus aufbauen wollen, könnten nach diesen Vorgaben wohl leer ausgehen.

Das könnte Sie auch interessieren

Für Energiekonzern
01.12.2024
EU-Plan gescheitert
29.11.2024
ARD-Show "Die 100"
26.11.2024
Abstimmung über neue EU-Kommission
27.11.2024

Kommentare

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

dreizehn + neunzehn =

Weitere Artikel aus der gleichen Rubrik

Für Energiekonzern
01.12.2024
EU-Plan gescheitert
29.11.2024

Neueste Kommentare

Trends

Alle Kategorien

Kategorien