Linksextreme Demo

DJV verurteilt Übergriffe auf Journalisten in Leipzig – AfD will Sondersitzung

20.09.2021
Lesedauer: 3 Minuten
Transparente, aber auch Pyrotechnik: So demonstrierte «Wir sind alle Linx» in Leipzig Quelle: dpa

Gab es bei der „Wir sind alle LinX“-Demonstration in Leipzig auch Attacken von Polizisten auf Journalisten? Der Deutsche Journalistenverband (DJV) spricht von Videobeweisen. Im Sächsischen Landtag könnte der Protestzug noch Folgen haben.

„Wir sind alle LinX“ – so lautete das Motto der Demonstration, mit der rund 3000 Menschen ihre Solidarität mit der inhaftierten Lina E. zeigen wollten. Während des Aufzugs wurden mehrere Bankgebäude mit Steinen beworfen. Gegen die Fassade der Polizeidirektion Leipzig flogen Flaschen und Böller.

Auf einem Banner wurde der Chef der Extremismus-Einheit der sächsischen Polizei bedroht. Nach dem offiziellen Ende entzündeten Vermummte im Stadtteil Connewitz eine große Barrikade und ein weiteres Feuer auf der Straße.

Neben den teils erheblichen Gewaltausbrüchen kam es aber offenbar auch zu Übergriffen gegen Reporter. Der Deutsche Journalistenverband (DJV) hat die Vorfälle, die sich offenbar erst nach Ende des Leipziger Protestzuges ereigneten, scharf verurteilt.

Beim Vorgehen der Polizei gegen brennende Barrikaden und Steinewerfer sowie dem Räumen von Straßenzügen seien auch Journalistinnen und Journalisten angegangen worden, teilte der DJV am Montag mit.

Kamera aus der Hand geschlagen?

Ein Fotograf sei von einem Beamten einer Chemnitzer Bereitschaftspolizeieinheit angegriffen worden. Derselbe Beamte schlug unmittelbar danach einem freien Fernsehjournalisten das Mikrofon aus der Hand, hieß es. Ein weiterer freier Kameramann sei – offenbar von einer vorrückenden Bundespolizeieinheit – in der Biedermannstraße förmlich überrannt und gegen ein parkendes Auto geschleudert worden. Die Vorfälle seien auf Video dokumentiert.

Andere Kollegen seien – trotz sichtbar getragenem oder hochgehaltenem Presseausweis – bei der Arbeit behindert, zum Teil rüde verbal angegangen, bedrängt und weggeschubst wurden. „Diese Übergriffe sind indiskutabel, wir verurteilen sie auf das Schärfste“, sagte die DJV-Landesvorsitzende Ine Dippmann.

Derweil distanzieren sich Teile der sächsischen Linkspartei von den Ausschreitungen und Gewaltaufrufen bei „Wir sind alle LinX“. Namentlich äußerten sich die Linke-Vorsitzenden Susanne Schaper und Stefan Hartmann. „Gewalt ist für uns kein akzeptables Mittel der politischen Auseinandersetzung. Das haben wir immer wieder klar gemacht und werden das auch weiterhin tun“, erklärten Schaper und Hartmann am Sonntagabend.

Auch Sprüche oder Transparente, mit denen menschenfeindliche Botschaften transportiert werden oder auf denen zu Gewalt aufgerufen wird, lehne man entschieden ab.

Die AfD wiederum will die Ausschreitungen im Sächsischen Landtag aufklären und zwar im Innenausschuss des Parlaments. Für diesen Donnerstag werde man eine Sondersitzung des Gremiums beantragen, kündigte die Partei am Montag an.

Zugleich wurde die Linksfraktion aufgefordert, sich von ihrer Abgeordneten Juliane Nagel zu trennen. Die Leipziger Politikerin hatte die Demonstration am Samstag angemeldet, bei der es zu Gewalt kam.

dpa/krott

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