Migrationsstreit

Diplomatische Krise zwischen Frankreich und Algerien nach Macron-Äußerungen

03.10.2021
Lesedauer: 2 Minuten
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron löste mit seinen Äußerungen in Algerien Empörung aus - Quelle: AFP/LUDOVIC MARIN

Emmanuel Macron wirft Algerien vor, das dortige politische System beruhe auf Frankreich-Hass. Algeriens Machthaber sind empört und verwehren Frankreichs Armee daraufhin den Überflug. Im Hintergrund schwelt ein Migrationsstreit.

In einem diplomatischen Konflikt mit Paris hat Algerien französischen Militärflugzeugen den Überflug über sein Territorium verwehrt. Frankreich nutzt den algerischen Luftraum normalerweise für Flüge Richtung Sahel-Zone, wo französische Truppen der anti-dschihadistischen Operation Barkhane im Einsatz sind.

Bereits am Samstag hatte Algerien seinen Botschafter aus Paris zu Konsultationen zurückberufen. Die ehemalige französische Kolonie ist verärgert über Aussagen, die die Tageszeitung „Le Monde“ Frankreichs Präsident Emmanuel Macron zugeschrieben hat.

Demnach hatte Macron am Donnerstag im Elysée-Palast kritisch über die Geschichtsschreibung nach der Unabhängigkeit Algeriens gesprochen, die sich nicht auf Wahrheiten, sondern auf einen Diskurs des Hasses auf Frankreich stütze. Darauf fuße das politisch-militärische System im Land, zitiert die Zeitung den Staatschef.

Algerien wies die Aussagen Macrons „entschieden“ zurück und warf Frankreich einen Genozid gegen das algerische Volk war. Die Äußerungen würden einen „inakzeptablen Angriff“ auf das Gedenken an die „Märtyrer“ darstellen, die sich im Widerstand gegen die französische Kolonialherrschaft „geopfert“ hätten. Das nordafrikanische Land hatte im blutigen Algerienkrieg zwischen 1954 und 1962 seine Unabhängigkeit erlangt.

Streit um abgeschobene Migranten und Visa

Macrons Zitate sind aber nicht der einzige Anlass für die diplomatische Krise. Algerien und die Maghreb-Staaten Marokko und Tunesien nehmen seit einer Weile zunehmend weniger ausgewiesene Migranten aus Frankreich zurück – auch in Verbindung mit Reisebeschränkungen wegen der Covid-Pandemie. Dies betrifft zum Ärger Frankreichs auch islamistische Gefährder.

Laut des marokkanischen Außenministers weigern sich viele abgeschobene Migranten, einen Corona-Test zu machen, der aber Bedingung für die Einreise ist. Vergangene Woche beschloss die Macron-Regierung, die Zahl der ausgestellten Visa für diese Staaten umgekehrt zu halbieren. „Le Monde“ berichtete, der Präsident habe gesagt, die Verschärfung der Visa-Bestimmungen werde Studenten und Geschäftsleute nicht treffen. Sie solle „Leute aus den Führungsschichten ärgern“, die sich daran gewöhnt hätten, leicht Visa zu erhalten.

jmi/dpa/AP/AFP

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