Der deutsche Mittelstand ist nicht für politischen Aktivismus bekannt. Doch jetzt gehen die Unternehmer auf die Barrikaden.
„Wann ich schon einmal so wütend war?“ Torsten Bahl macht eine Pause. Er überlegt eine Weile – dann antwortet er: „Noch nie.“ So sind sie, die Mittelständler in Deutschland. Über ihre Emotionen sprechen sie ganz rational. Äußerlich bleiben viele cool, doch das kann nicht darüber hinwegtäuschen, wie explosiv die Stimmung tatsächlich ist.
Bahl ist Chef von Fripa, einem mittelständischen Hersteller von Hygienepapier am Main in Unterfranken, und er leidet unter Deutschlands hohen Energiepreisen. „Wenn es nur Ärger wäre, könnten wir damit umgehen“, sagt er. Doch Fripa ist seit Pandemiebeginn im Ausnahmezustand: Erst wollten alle Toilettenpapier haben, die Mitarbeiter schoben Sonderschichten. Dann hatten alle genug, und die Mitarbeiter gingen in Kurzarbeit. Und gerade jetzt, wo alles wieder normal werden könnte, da kommt die Gaskrise. „Wir sind bereits vor Jahren der Empfehlung der Politik gefolgt und haben auf eine sehr umweltfreundliche Gasturbine gesetzt“, sagt Bahl. Die erzeugt Strom für den Betrieb und Wärme für die Papierherstellung – doch jetzt ist es gerade diese Turbine, die Bahl besonders viele Sorgen macht. Er sei so wütend wie noch nie, sagt Bahl, er habe nur gerade keine Zeit für seine Wut, er müsse sein Unternehmen retten.


