Die EU braucht gleich aus zwei Gründen mehr legale Zuwanderung, argumentiert die Kommission: Um den Fachkräftemangel zu beheben und als Instrument gegen illegale Migration. Eine Talentplattform soll dabei helfen.
Für die Europäische Kommission hat die legale Zuwanderung in die EU eine doppelte Funktion: Sie soll die wachsende Lücke an qualifizierten Arbeitnehmern füllen und ist zugleich ein Instrument gegen die illegale Zuwanderung. Die EU-Kommission macht deshalb schon seit Jahren Druck, Kanäle für die legale Migration zu schaffen. Zwar hat die EU bei der Entscheidung, wie viele Menschen die EU-Staaten aus Drittländern aufnehmen, nichts zu sagen. Sie kann aber etwa den Rechtsrahmen für die Erteilung von Arbeits- und Aufenthaltsgenehmigungen setzen und die Zuwanderung auf andere Weise fördern.
Der Fokus soll dabei künftig nicht zuletzt auf der Pflegebranche liegen. Bis zum Jahr 2030 würden im Pflegesektor bis zu 7 Millionen Arbeitskräfte benötigt, die von der EU selbst nicht ohne Weiteres bereitgestellt werden könnten, rechnet die Kommission vor. Deshalb müsse die EU Strategien entwickeln, um diese aus Drittstaaten anzuwerben. Die EU-Behörde kündigte zudem die Einrichtung einer europäischen „Talentplattform“ an, auf der die Menschen aus Drittstaaten ihre Fähigkeiten anbieten könnten, um Unternehmen die Suche zu erleichtern.
Arbeitsmarkt und Ausbildung in Partnerländern
Die Plattform soll Mitte 2023 einsatzbereit sein. Schon in diesem Sommer will die Kommission als eine Art Pilotprojekt eine Vermittlungsplattform schaffen, die sich speziell an die momentan 5 Millionen Menschen richtet, die seit dem russischen Angriff auf die Ukraine in die EU geflohen sind.
Mit „Talentpartnerschaften“ beabsichtigt die Kommission den Arbeitsmarkt und die Ausbildung in den Partnerländern zu fördern, damit auch Möglichkeiten für legale Zuwanderung zu schaffen sowie illegale Zuwanderung besser zu „steuern“. Die ersten Partnerschaften sollen bis Ende des Jahres mit Marokko, Ägypten und Tunesien aufgelegt werden.
Weitere Kandidaten sind Pakistan, Bangladesch, Nigeria und Senegal. Darüber hinaus hat die Kommission am Mittwoch Vorschläge dafür vorgelegt, wie die Anträge für die Arbeits- und Aufenthaltsgenehmigung kombiniert und so beschleunigt werden können. Migranten sollen zudem leichter ein dauerhaftes Aufenthaltsrecht erlangen können. So sollen sie nicht mehr gezwungen sein, fünf Jahre in einem EU-Land zu leben, und auch den Arbeitsplatz leichter wechseln können.
Quelle: hmk.


