Im brandenburgischen Oranienburg stimmt die AfD mit einem ihrer Radikalsten die Anhänger auf den kommenden Landtagswahlkampf ein. Doch der Gegenprotest ist klar in der Mehrzahl.
Bereits um 16 Uhr am Donnerstagnachmittag füllt sich der Schlossplatz im Zentrum Oranienburgs mit zahlreichen Menschen. Es wird Kreide ausgegeben. Innerhalb einer Stunde verwandelt sich das dunkle Kopfsteinpflaster des Platzes in zwei großflächige, bunte Regenbogen.
Initiiert vom Bürgermeister der Stadt folgen der Aktion vor allem Familien mit kleinen Kindern, die ein Zeichen gegen die AfD setzen wollen. Die rechtspopulistische Partei wird drei Stunden später in Oranienburg erwartet. Inklusive prominenter Unterstützung: der Thüringer Landesvorsitzende Björn Höcke hat sich angekündigt.

© dpa/Britta Pedersen

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Und so lässt es sich die AfD bei der Eröffnung ihrer Kundgebung am Abend natürlich nicht nehmen, auf das bunte Kunstwerk unter ihren Füßen in gewohnter Manier zu reagieren. Von Anna Leisten, Vorsitzenden der radikalen AfD-Jugend „Junge Alternative“, die vom Verfassungsschutz beobachtet wird, heißt es an die etwa 450 Anhänger gerichtet: „Sollte die AfD jemals regieren, und die Junge Alternative verantwortlich für den Straßenaktivismus sein, wird es eine riesige Deutschland-Fahne auf diesem Platz geben, das verspreche ich euch“.
Hunderte Teilnehmer bei Gegenkundgebung
Begleitet wurden die Rechten von einer großen, unüberhörbaren Gegenkundgebung, zu der mehrere Parteien und Verbände aufgerufen hatten. Zunächst setzten sich hunderte Menschen um 18 Uhr vor dem Bahnhof Oranienburgs in Bewegung, um gegen die AfD zu protestieren. Später organisierte sich der Gegenprotest in Hör- und Sichtweite der Alternative auf der gegenüberliegenden Seite des Schlossplatzes.
Gleich zu Beginn der Gegendemonstration konfiszierte die Brandenburger Polizei ein Plakat mit der Aufschrift „Björn Höcke ist ein Nazi“, weil dieses möglicherweise den Straftatbestand der Beleidigung erfüllte, hieß es von der Pressestelle. Nun prüfe die Staatsanwaltschaft die Parole. Der Vorfall hatte zur Folge, dass im Laufe des Abends immer wieder lauthals der Slogan durch die Gegendemonstranten angestimmt wurde.
Die andere Seite reagierte darauf unter anderem in Gestalt von mehreren jungen Kadern der „Jungen Alternative“, die eine Regenbogenfahne der Jusos klauten. Das Diebesgut wurde schließlich provokant vor dem Gegenprotest präsentiert, bespuckt und zertrampelt.
„Herzlich willkommen den Opfern des Deutschen Bildungssystems“, ruft Höcke seinen Gegnern zu, die mit 1200 Teilnehmern deutlich in der Mehrzahl sind. Es seien nichts anderes als „Opfer“, die da auf der anderen Seite stehen. Und: „Selbsthass ist auch eine psychische Erkrankung“. Während Björn Höcke zu seinen Anhängern spricht, ist am Schloss-Balkon ein Strahler angegangen, der ein Plakat von Bernd das Brot ausleuchtet. Mutmaßlich verantwortlich dafür ist der Bürgermeister der Stadt, Alexander Laesicke (parteilos).
Im Anschluss folgen die typischen Höcke-Parolen: der Kipppunkt in Deutschland sei bald erreicht, die AfD stehe vor den Zielgeraden und „Deutsch und frei wollen wir sein“, schreit der Flügelmann in den Oranienburger Nachthimmel.



