Vor der Eröffnungsgala

Berlinale-Juroren kritisieren AfD-Ausladung

15.02.2024
Lesedauer: 5 Minuten
Brady Corbet, Jasmine Trinca, Christian Petzold, Lupita Nyong’o und Albert Serra zählen zur Berlinale-Jury 2024: Kontroverse Diskussionen schon vor der Bärenvergabe (Foto: Ebrahim Noroozi / AP)

Die Festivalleitung hatte AfD-Politiker von der Berlinale ausgeladen. Regisseur Christian Petzold und Schauspielerin Jasmine Trinca haben jetzt klargemacht, warum sie den Schritt für falsch halten.

In ihrer Rolle als Spionin Nakia in Marvels »Black Panther«-Filmen kann sie sich aus den politischen Fragen nicht heraushalten. Als Präsidentin der internationalen Jury bei den 74. Filmfestspielen in Berlin versuchte es Oscar-Preisträgerin Lupita Nyong’o so gut wie möglich, als sie bei der Eröffnungspressekonferenz der Jury am Donnerstag nach Themen wie dem Nahostkonflikt oder dem Krieg in der Ukraine befragt wurde.

Nyong’o kündigte an, die Diskussionen innerhalb der Jury würden gepfeffert. Doch bezog sie dies auf die Entscheidungen über den Goldenen und die Silbernen Bären, die die sieben Jurorinnen und Juroren zu treffen haben. »Das Schöne daran, Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen zusammenzubringen, ist, dass wir auf unterschiedliche Dinge ansprechen«, sagte die mexikanisch-kenianische Schauspielerin.

Aber der ersten schwarzen Jurypräsidentin in der Geschichte der Berlinale ist bereits klar geworden: »In den 48 Stunden, die ich hier bin, ist es eines der Dinge, die immer wieder erwähnt werden: wie politisch die Berlinale ist.« Und so sollte Lupita Nyong’o sagen, ob sie es ausgehalten hätte, mit Vertretern der AfD im gleichen Raum zu sein. »Ich bin hier eine Ausländerin«, sagte die 40-Jährige. »Ich kenne die politische Situation hier nicht in- und auswendig. Ich bin froh, dass ich diese Frage nicht beantworten muss.«

Jurypräsidentin Lupita Nyong’o: »Bin hier Ausländerin«
 Foto: Annegret Hilse / REUTERS

Petzold: »Wir sind keine Feiglinge«

Die Berlinale hatte zunächst auch Abgeordnete der AfD aus den Kulturausschüssen des Bundestags und des Berliner Abgeordnetenhauses zur Eröffnung eingeladen. Doch nach internationaler Kritik entschied sich die Festivalleitung, sie wieder auszuladen. Die Berlinale-Leitung begründete dies auch mit Enthüllungen, die es in den vergangenen Wochen zu »explizit antidemokratischen Positionen« sowie zu einzelnen Politikern der Partei gegeben hatte. Die AfD kritisierte die Ausladung als »Schlag gegen die Demokratie«.

Zwei Jurymitglieder kritisierten diese Entscheidung nun bei der Pressekonferenz. Der deutsche Regisseur Christian Petzold sagte, er hätte kein Problem mit der Anwesenheit von einigen wenigen AfD-Politikern bei der Berlinale-Eröffnung. »Ich denke, es ist kein Problem, fünf Personen von der AfD im Publikum zu haben«, sagte der 63-Jährige. »Wir sind keine Feiglinge. Wenn wir es nicht aushalten, dass fünf Personen von der AfD im Publikum sitzen, werden wir unseren Kampf verlieren.« Gleichzeitig betonte er, man mache das Problem mit dieser Frage größer, als es sei – denn ein paar wenige AfD-Politiker fielen bei einem Festival, zu dem viele Tausend Menschen kämen, nicht ins Gewicht.

Die italienische Schauspielerin Jasmine Trinca, die bei der Berlinale ihre Serie »Supersex« über den Pornodarsteller Rocco Siffredi vorstellen wird, glaubt vor allem an die Kraft des Kinos: »Man stelle sich vor, fünf Faschisten sitzen in einem Kinosaal und schauen sich Werke an, die zu zeigen sich die Berlinale entschieden hat.« Trinca glaubt, dies hätte die Perspektiven der Politikerinnen und Politiker erweitert.

Juror Petzold: Fünf AfD-Abgeordnete aushalten; Foto: Sören Stache / dpa

Jury-Diskussionen auch über die Ukraine

Auch der Krieg in der Ukraine ist Thema. Diskussionen gab es am Donnerstag über einige als Putin-freundlich kritisierte Aussagen des spanischen Regisseurs und Jurymitglieds Albert Serra. Das ist nicht zuletzt deshalb brisant, weil in der Jury auch die ukrainische Autorin und Putin-Kritikerin Oksana Sabuschko sitzt.

Jurorin Trinca: Kino kann Perspektiven erweitern; Foto: Annegret Hilse / REUTERS

Eine Journalistin fragte Serra zu einem Interview aus dem Jahr 2018, in dem er angeblich seine Bewunderung für den russischen Präsidenten Wladimir Putin zum Ausdruck gebracht habe. Serra wurde gefragt, ob er seine Meinung über Putin seit dem Krieg geändert habe. Er relativierte frühere Aussagen und erklärte unter anderem: »Die politische Frage, welche Führung (ich) bevorzuge, hat sich geändert, denn es ist Krieg und alle sind sauer auf Russland.« Dies sei eine sehr komplexe Frage.

Komplette Jury mit Albert Serra (5. von links) und Oksana Sabuschko (ganz rechts): »Er hat mein Buch gekauft«; Foto: Sören Stache / dpa

Autorin Sabuschko sagte: »Es gibt eine gute Nachricht: Gestern Abend saßen wir nämlich beim Abendessen zusammen, und er hat mein kürzlich erschienenes Buch über diesen Krieg gekauft. Ich hoffe also, dass er sich ein wenig weiterbilden wird.« 

feb/dpa/AP/AFP/Reuters

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