Politikerin verurteilt Kinderbuch als „katastrophal“

Berlin klärt Sechsjährige über Straßenstrich auf

26.09.2023
Lesedauer: 3 Minuten
Nicht alle Illustrationen in dem Buch sind bunt und fröhlich, viele sind sexuell eindeutig oder auch düster gehalten – trotz der jungen Zielgruppe Foto: Bezirksamt Mitte

Berlin – Der Straßenstrich als Thema für Erstklässler: Auf der Online-Seite des Bezirksamtes Mitte (gehört zum Hauptstadt-Portal berlin.de) steht seit Jahren ein Kinderbuch mit dem Titel „Rosi sucht Geld“ kostenlos zum Download zur Verfügung.

In dem Buch geht es um Prostituierte, käuflichen Sex und die Verwendung von Kondomen. Geschildert wird auf 72 Seiten der Alltag der Prostituierten Rosi. Ihre Arbeit beschreiben die Kinder im Buch so: „Mama macht Liebe mit Papa, aber die Männer bei Rosi machen nicht Liebe, sondern Sex wie im Fernsehen!“

Das Cover des Kinderbuches
Das Cover des Kinderbuches
Foto: Senatsverwaltung Berlin

Die Hure selbst beschreibt den Kindern ihre Arbeit so: „Die Männer wollen ihren Penis in meine Vagina stecken. Ein paar Mal rein und ein paar Mal raus – und fertig.“ An anderer Stelle wird darüber informiert, dass Rosi ihren Freiern Kondome gebe. Dazu gibt es viele Zeichnungen, einige recht eindeutig.

„Prostitution wird verharmlost, Gewalt und Kriminalität ebenso“

„Das Buch ist katastrophal und absolut nicht kindgerecht“, kritisiert die CDU-Bezirksverordnete Daniela Fritz (40). „Prostitution wird verharmlost, Gewalt und Kriminalität am Straßenstrich ebenso. Ein absolutes Unding!“

Die Politikerin ist Mutter eines fünfjährigen Mädchens, wird ihr kommendes Jahr keinesfalls aus dem Buch vorlesen. „Diese Themen muss man kleinen Kindern in diesem Alter so noch nicht näher bringen. Sie können das gar nicht begreifen, sind nur verunsichert“, so Fritz zu BILD.

▶︎ „Rosi sucht Geld“ (Zielgruppe: Kinder zwischen 6 und 12) entstand vor über zehn Jahren mit Senatsgeldern, ist seitdem auf den Internetseiten des Bezirksamts Mitte verlinkt. Seitdem habe es keinerlei Reaktionen auf das Buch gegeben, so Bezirksbürgermeisterin Stefanie Remlinger (52, Grüne).

„Es wurde ausschließlich an Erwachsene ausgegeben, die selbst entschieden, wie und ob sie es verwenden wollen.“ Warum es überhaupt entwickelt wurde? „Familien, die im Kurfürstenkiez wohnen, hatten das Bezirksamt Mitte gefragt, was sie ihren Kindern sagen sollen“, so die Rathaus-Chefin.

Die Seiten des Bezirksamts Mitte gehören zum Hauptstadtportal berlin.de. Dort war das Kinderbuch am Dienstag noch abrufbar
Die Seiten des Bezirksamts Mitte gehören zum Hauptstadtportal berlin.de. Dort war das Kinderbuch am Dienstag noch abrufbar
Foto: Senatsverwaltung Berlin

Alber: „Rückwirkend muss allerdings konstatiert werden, dass diese Handreichung keine der erwarteten Ergebnisse erzielt hat und Erwachsene das Buch nicht genutzt haben“, so Remlinger. „Daher wird es von der Webseite genommen.“

Am Dienstagabend war es allerdings noch immer abrufbar.

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