Marcel Fratzscher ist einer der einflussreichsten Ökonomen des Landes. Wenn der DIW-Chef spricht, hören Politiker zu. Er könnte neuer Bundesbank-Präsident werden, doch in seinem Institut rumort es. Es geht um knappe Kassen, vergiftetes Klima und seinen Führungsstil.14
An den 4. November 1978 kann sich Marcel Fratzscher genau erinnern. Sieben Jahre war er damals alt und gemeinsam mit seinem Vater und seinem neun Jahre alten Bruder im Müngersdorfer Stadion in Köln. Für den heimischen FC ging es gegen den großen FC Bayern. Laut war der Jubel, als Dieter Müller nach 61 Minuten zum 1:0 für die Gastgeber traf.
Doch die Freude währte nur bis zum Ausgleich elf Minuten später. In der Saison zuvor waren die Geißböcke noch Deutscher Meister geworden – zum bislang letzten Mal. „Die Begeisterung für den Fußball habe ich seitdem nie mehr verloren“, sagt Fratzscher. „Ich bin ein sehr loyaler Mensch.“ Wie der aktuelle Trainer der Kölner heißt, will ihm aber in diesem Moment nicht einfallen.
Normalerweise ist Fratzscher um keine Antwort verlegen. Kaum ein anderer Ökonom in Deutschland mischt sich so aktiv mit Vorschlägen und Analysen in Debatten ein. Dabei wirkt der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) weniger wie ein nüchterner Forscher, sondern eher wie ein Missionar, der das Land besser machen will. Für ihn heißt „besser“ vor allem: gleicher.
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