Wegen Ukraine-Krieg

Belgien will Atomausstieg um zehn Jahre verschieben

18.03.2022
Lesedauer: 2 Minuten
Das Kernkraftwerk Doel Quelle: pa/dpa/BELGA/Dirk Waem

Kurswechsel in Belgien: Die Regierung in Brüssel will später aus der Atomkraft aussteigen. Zwei Kernkraftwerke sollen bis 2035 weiterlaufen. Mängel der belgischen Atommeiler hatten in der Vergangenheit Besorgnis erregt – auch in Deutschland.

Belgien will den Atomausstieg um zehn Jahre verschieben. Das nahe der deutschen Grenze gelegene Kernkraftwerk Tihange 3 sowie das bei Antwerpen gelegene Kernkraftwerk Doel 4 sollen bis 2035 weiterlaufen. Das bestätigte der belgische Premierminister Alexander De Croo am Freitagabend nach Beratungen der Regierung.

Durch die Laufzeitverlängerung soll die Energiesicherheit gewährleistet werden. Dabei spielen auch der Krieg in der Ukraine und die zuletzt stark angestiegenen Energiepreisen eine Rolle.

Der Premier hatte den Kurswechsel kürzlich angekündigt. Belgien betreibt zwei Atomkraftwerke mit insgesamt sieben Reaktoren. Gegen zwei ältere Reaktoren – Tihange 2 und Doel 3 – gibt es in Deutschland und anderen Nachbarländern massive Proteste, seitdem Experten im Jahr 2012 tausende Haarrisse in den Reaktordruckbehältern gefunden hatten. Die Stadt Aachen und die Bundesregierung haben in der Vergangenheit gefordert, die Kernkraftwerke stillzulegen.

Energieministerin Tinne Van der Straeten von den Grünen hatte die Verlängerung der jüngeren Blöcke in einem Bericht mit den „geopolitischen Spannungen“ und den „sehr volatilen Preisen“ begründet. Sie erinnerte daran, dass Belgien rund 30 Prozent seines Öls und bis zu sechs Prozent seines Erdgases aus Russland importiert und diesen Anteil wegen des russischen Angriffs auf die Ukraine zurückfahren will.

Belgien erzeugte zuletzt rund 40 Prozent seines Stroms durch Kernkraft. Die Pläne für einen Atomausstieg wurden erstmals 2003 gesetzlich festgehalten, die Abschaltung wurde aber immer wieder verschoben.

dpa/AFP/ll

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