Elke H. stellte falsche Dokumente aus

Beamtin kassierte, um Flüchtlinge einzuschleusen

06.06.2023
Lesedauer: 3 Minuten
Elke H. steht seit Dienstag vor Gericht Foto: Mario Jüngling

Köln (NRW) – Nur noch wenige Jahre, dann wäre sie in Rente gegangen und hätte ein ruhiges Leben führen können. Doch stattdessen soll sich die Mitarbeiterin des Kölner Ausländeramtes, Elke H. (60), entschlossen haben, Teil einer Schleuserbande zu werden. Prozessauftakt am Dienstag vor dem Kölner Landgericht. Der Vorwurf: gewerbsmäßiges Einschleusen von Ausländern.

Hinter einer Akte versteckt betrat die zierliche Beamtin Saal 210 des Gerichts. Seit Oktober des vergangenen Jahres sitzt sie in U-Haft, im Falle einer Verurteilung drohen ihr bis zu zehn Jahre Haft. Neben ihr werden drei weitere Mitglieder des Netzwerkes angeklagt.

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Die Beamtin soll Teil einer Schleuserbande gewesen sein
Foto: Privat

Es muss Anfang 2022 gewesen sein, als der Syrer Shirfan D. (32) erstmals Elkes Büro betrat. Der Mann, der in Köln einen Friseursalon betreibt, kam als Übersetzer, um einer syrischen Familie zu helfen. Dieser Besuch muss bei der Beamtin Eindruck hinterlassen haben. Denn seitdem soll es zwischen Elke und dem Syrer regelmäßig Kontakt gegeben haben – zum Großteil sogar über ihren Dienst-Mailaccount.

Der Anwalt Bernhard Scholz neben dem Syrer Shirfan D.
Anwalt Bernhard Scholz neben dem Syrer Shirfan D.
Foto: Mario Jüngling

Ab Januar 2022 soll Elke laut Anklage dann begonnen haben, falsche Aufenthaltsberechtigungen und Reisepässe für Ausländer auszustellen. Diese Papiere ermöglichten es Flüchtlingen, in der Türkei in ein Flugzeug nach Deutschland zu steigen. Während des Fluges sollten sie die Dokumente vernichten und bei der Ankunft in Deutschland um Asyl bitten.

Dafür soll Elke pro Dokument bis zu 4500 Euro von den Komplizen kassiert haben. Die Anklage wirft ihr vor insgesamt 40 solcher Papiere ausgestellt zu haben.

„Meine Mandantin hat die Vorwürfe bereits während des Ermittlungsverfahrens gegen sie eingeräumt“, sagte ihr Verteidiger Markus Haupt.

Die Verteidigerin des anderen Mitglieds der Schleuserbande, Batuhan B. (26), Pantea Farahzadi betont: „Mein Mandant hat maßgeblich zur Tataufklärung beigetragen. Die Zeit seiner Inhaftierung in der Türkei und in Köln waren ihm eine nachdringliche Warnung.“

Abwältin Pantea Farahzadi verteigt  Batuhan B. Er war ein Teil der Schl
Anwältin Pantea Farahzadi verteigt Batuhan B.. Er war ein Teil der Schleuserbande.
Foto: Mario Jüngling

Das Verfahren soll bis zum 3. Juli noch andauern.

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