Wirbel um eine Aussage von Annalena Baerbock. Die Grünen-Parteichefin und Kanzlerkandidatin sagte in einem Video-Interview das „N-Wort“. Jetzt wollen die Grünen die Passage streichen lassen. Im Netz gibt es Kritik und Spott.
Bahnt sich hier die nächste Eklat um Grünen-Chefin Annalena Baerbock an? In einem aufgezeichneten Video-Interview äußerte sich die Kanzlerkandidatin zu Rassismus in Schulbüchern. Dabei rutschte ihr offenbar das „N-Wort“ raus, wie die „Bild“ jetzt berichtet.
Weiter heißt es in dem Bericht, die Grünen wollten das Interview nun einfach um die heikle Passage kürzen – und anschließend veröffentlichen. Baerbock kritisierte zwar die Verwendung des Wortes „N***r“, sprach es jedoch trotzdem aus.
Grünen-OB Palmer rutschte „N-Wort“ raus – Baerbock forderte seinen Parteiausschluss
Pikant: Vor wenigen Monaten verwendete auch der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) das „N-Wort“, wenn auch in einem anderen Zusammenhang und ironisch. Damals forderte Baerbock aber dessen Parteiausschluss. Die Grünen-Chefin bezeichnete Palmers Aussage, die an den Fußballer Dennis Aogo gerichtet war, als „rassistisch und abstoßend“. Weiter sagte sie damals: „Sich nachträglich auf Ironie zu berufen, macht es nicht ungeschehen.“
Nun aber rutschte ausgerechnet Annalena Baerbock auch das „N-Wort“ raus. Auf Nachfrage von „Bild“ äußerte sich die Partei bislang nicht zu dem Vorfall.
Baerbock „Leider habe ich das N-Wort selbst reproduziert“
Baerbock selbst schrieb auf Twitter zu ihrer Äußerung: „Leider habe ich in der Aufzeichnung des Interviews in der emotionalen Beschreibung dieses unsäglichen Vorfalls das N-Wort zitiert und damit selbst reproduziert. Das war falsch, und das tut mir leid.“ Und weiter: „ich weiß ja um den rassistischen Ursprung dieses Wortes und die Verletzungen, die schwarze Menschen unter anderem durch ihn erfahren.“

Wie steht es um Baerbocks Haltung zu der von den Grünen geforderten Kürzung des Interviews? Hierzu schreibt sie: „Während der Aufzeichnung ist mir das bewusst geworden. Deshalb haben wir mit dem Zentralrat abgewogen, ob das eindringliche Beispiel geeignet ist, auf die Missstände auch im Bildungsbereich hinzuweisen, oder ob die Aussprache des N-Wortes genau dieses Anliegen konterkariert.
Baerbock zu Palmer-Vergleich: „Offensichtlich zwei verschiedene Dinge“
Dennoch stünde ihre Äußerung in keinem Vergleich zu der Palmers vor einigen Monaten. So sei „offensichtlich“, dass es sich „um zwei verschiedene Dinge in unterschiedlichen Kontexten handelt“. Inzwischen wurde das im Interview verwendete „N-Wort“ mit einem Piepton übertont. Ein Beigeschmack bleibt allerdings.
Twitter/@ABaerbock
Kritik und Spott für Baerbock und die Grünen
Im Netz ernteten Baerbock und die Grünen Kritik für die Aussage und den Umgang mit dem dieser. CDU-Mann Frank Rauer schreibt auf Twitter: „Bei anderer Gelegenheit hatte Baerbock deshalb schon mal nach einem Parteiausschluss gerufen. Abgesehen davon wieder einmal seltsam, wie die Grünen damit umgehen.“
Bei anderer Gelegenheit hatte @ABaerbock deshalb schon mal nach einem #Parteiausschluss gerufen. Abgesehen davon wieder einmal seltsam, wie die #gruenen damit umgehen. #nwort #bild https://t.co/dZ5Zpxjw43
— Frank Rauer 🇩🇪 🇮🇱 🇺🇦 (@FRauerNE) July 25, 2021
Kritik kam aber auch aus den Reihen der Grünen. Bundestagsabgeordnete Valerie Wilms schreibt auf Twitter: „Langsam machen sich die Grünen mit ihrer Identitätspolitik absolut lächerlich.“
Langsam machen sich @Die_Gruenen mit ihrer Identitätspolitik absolut lächerlich: erst Indianer, jetzt Neger. Kommt mal wieder zurück in die Lebensrealität der Bevölkerung! https://t.co/S3w410wvEL
— Valerie Wilms (@WilmsVal) July 25, 2021
Ex-FAZ-Herausgeber und FOCUS-Online-Autor Hugo Müller-Vogg schreibt wiederum auf Twitter: „Irgendwie amüsant, wie Politiker:innen der Grünen in ihre eigenen, kunstvoll aufgestellten identitätspolitischen Fallen stolpern.
Irgendwie amüsant, wie Politiker:innen der @Die_Gruenen in ihre eigenen, kunstvoll aufgestellten identitätspolitischen Fallen stolpern. #N-Wort #Indianerhäuptling @ABaerbock @Bettina_Jarasch https://t.co/aFj9JjBIvQ
— Dr. Hugo Müller-Vogg (@HugoMuellerVogg) July 25, 2021



