Ohne Abstimmung auf dem Landesparteitag

Baerbock ruft alten Kumpel zum Spitzenkandidaten aus

29.04.2023
Lesedauer: 2 Minuten
Annalena Baerbock umarmt Benjamin Raschke Foto: Soeren Stache/dpa

Potsdam – Abstimmung, Wahlen? Muss sie doch nicht abwarten! Anderthalb Jahre vor der Brandenburg-Wahl hat Außenministerin Annalena Baerbock (42) am Samstag schon mal den grünen Spitzenkandidaten ausgerufen. Es ist ein Kumpel aus alten Zeiten.

Landesparteitag der Grünen in Potsdam, Baerbocks Wohnort. Nach Landtags-Fraktionschef Benjamin Raschke (40) spricht die Ministerin zur Verkehrswende. Am Schluss ihrer Rede ruft die Außenministerin begeistert in den Saal: „Du bist der Beste, der uns in den nächsten Wahlkampf führen kann. Das kann niemand besser als Benni Raschke!“

Lauter Applaus – aber auch betretene Gesichter. Denn ihren Spitzenkandidaten wählen Brandenburgs Grüne erst in einem Jahr – sechs Monate vor der Landtagswahl.

Wer ist Raschke?

Mit Raschke hatte sie bis 2013 Brandenburgs Grüne angeführt. Gemeinsam mussten beide damals als Zeugen vor Gericht. Der Grund: Ihr Landes-Schatzmeister Christian G. hatte die Parteikasse geplündert, mehr als 200.000 Euro auf dem Berliner Straßenstrich durchgebracht. Er wurde verurteilt.

Nach ihrem Raschke-Werbeblock fiel Baerbock ein: „Aber wir sind ja eine demokratische Partei. Und deshalb war das nur die persönliche Meinung eines Mitglieds.“ Allerdings die der Außenministerin und beliebtesten Grünen.

Sind andere Kandidaten nun damit chancenlos?

Die aussichtsreichste Bewerberin hatten die Grünen schon vor zwei Monaten rausgeworfen. Völlig überraschend hatte der Parteivorstand im Februar die ehrgeizige Co-Landeschefin Julia Schmidt (29) gefeuert. Die Begründung: „Wiederholte Fälle untragbaren Fehlverhaltens“.

Tatsächlich hatte Schmidt nur allzu eifrig an ihrer Spitzenkandidatur gearbeitet. Am Samstag musste sich Grünen-Landeschefin Alexandra Pichl (44) dafür entschuldigen: „Durch unsere Krisenkommunikation sind Missverständnisse entstanden“, sagte sie kleinlaut, „diese Missverständnisse bedauern wir und hätten sie auch gerne vermieden.“

Hanna Große Holtrup (25) hat seit Januar ihren ersten Vollzeit-Job bei den Grünen, wurde zur Landeschefin gewählt
Hanna Große Holtrup (25) hat seit Januar ihren ersten Vollzeit-Job bei den Grünen, wurde zur Landeschefin gewählt
Foto: Soeren Stache/dpa

Am Nachmittag wählten die Grünen Schmidts Nachfolgerin. Einzige Kandidatin: die 25-jährige Fraktions-Mitarbeiterin Hanna Große Holtrup. Sie holte 91,7 Prozent.

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