3G-plus in Bayern

Apotheker und Ärzte üben Kritik – Ungeimpfte „emotional sehr aufgeladen“

08.10.2021
Lesedauer: 4 Minuten
Ein Patient lässt einen Abstrich für einen PCR-Corona-Test machen: In Zukunft müssen Bürger die Kosten selbst tragen. © Kay Nietfeld/dpa

Ab Montag gibt es nur noch für bestimmte Personen einen gratis Corona-Test. Gleichzeitig gilt in Bayern jetzt die 3G-plus-Regel. Für Ungeimpfte wird es richtig kompliziert.

Dachau – Regelmäßig wurden in den vergangenen eineinhalb Jahren die Verantwortlichen vor Ort von den in München beschlossenen Neuerungen überrascht. Jüngstes Beispiel: die Einführung der sogenannten 3G-plus-Regel. Demnach dürfen Veranstalter, die freiwillig auf das 2G-Prinzip (nur Genesene und Geimpfte erhalten Zutritt) oder das 3G-plus-Prinzip (Zutritt nur für Genesene, Geimpfte und Personen mit negativem PCR-Test) setzen, seit gestern wieder zum Normalbetrieb zurückkehren.

Corona in Bayern: Keine kostenlosen Schnell- und PCR-Tests mehr

Vor dem Hintergrund, dass die kostenlosen Schnell-und PCR-Tests für weite Personenkreise ab kommenden Montag abgeschafft werden, sind Bürokraten, Ärzte- und Apothekerschaft nun „auf allen Ebenen in der Abstimmung“, wie der Dachauer Versorgungsarzt Dr. Christian Günzel betont. Die Regularien, so Günzel, „kamen mal wieder sehr kurzfristig“. Die Folge: Für freiwillig Ungeimpfte wird es in den kommenden Wochen erstens teuer und zweitens auch komplizierter, an Tests zu kommen.

Die gute Nachricht vorneweg: Die Apotheker werden ihre medizinischen Schnelltests auch weiterhin anbieten, wie Maximilian Lernbecher, Besitzer der Oberen Apotheke in der Altstadt und Apothekersprecher im Landkreis, betont. Preislich dürften sich die Kosten für die Schnelltests in den Landkreisapotheken bei zirka 20 Euro bewegen.

3G-plus in Bayern: Apotheken bieten weiter medizinische Schnelltests an

Dass die Apotheken ihr Angebot aufrecht erhalten, liegt laut Günzel daran, dass sie – steuerrechtlich – dafür gut aufgestellt sind. Die Tests werden ab Montag einfach verkauft wie alle anderen Waren. Die Hilfsorganisationen wie die Johanniter oder das BRK müssten dafür erst eine eigene Abrechnungsstruktur schaffen, da ihre sonstige Arbeit ja hauptsächlich auf „non profit“ ausgerichtet ist.

Im Landkreis Dachau wollen sich das BRK und die Johanniter diesen Aufwand nicht antun: „Wir müssten enorme organisatorische Vorbereitungen treffen, ohne zu wissen, wie sich die Nachfrage entwickelt“, erklärt BRK-Kreisvorsitzender Bernhard Seidenath. Die Folge: Das BRK wird keine medizinischen Schnelltests mehr anbieten, auch die von den Johannitern betriebene Teststrecke in Indersdorf, wo PCR-Tests möglich waren, wird nicht auf kommerzielle Testangebote umstellen.

Das Problem der Mehrwertsteuerpflicht haben allerdings nicht nur die Non-Profit-Organisationen, sondern auch die Ärzte, weshalb auch am MVZ Dachau keine kostenpflichtigen Tests angeboten werden. Gerade die Hausärzte, so Günzel, seien gerade „mitten in der Grippeimpfung und einer heftigen Infektionswelle“, weshalb viele Praxen schlicht nicht die Kapazitäten hätten, ein „zweispuriges“ Testangebot aufzubauen.

3G-plus-Regel in Bayern: Weiter gratis Corona-Tests für kleinen Personenkreis

Um die Bürokratie nämlich perfekt zu machen, gibt es einen kleinen Personenkreis, der weiter kostenlos getestet wird, und dessen Testkosten wie gehabt über den Staat abgerechnet werden. Im Unterschied zu den freiwillig Ungeimpften, die selbst zahlen müssen, dürfen diejenigen mit der Ausnahmeregel auch weiterhin zu den Ärzten oder der Indersdorfer Teststrecke fahren. Der Mediziner Günzel fasst es so zusammen: „Wer nicht impfbar ist oder Symptome hat, der darf weiter zu kommen!“

Wie sich nun für die „Impfbaren“, die beispielsweise für den Besuch in der Allianz-Arena einen PCR-Test brauchen, das Leben entwickeln soll, dafür, so Günzel, „fehlt mir im Moment ehrlich gesagt wirklich die Idee“. Was aber Ärzte und Apotheker gleichermaßen auf sich zukommen sehen: die schlechte Laune vieler Ungeimpfter.

Neue Corona-Regel in Bayern: Schlechte Laune bei Ungeimpften

„Die Gesamtstimmung ist gereizt, nach eineinhalb Jahren sind viele emotional sehr aufgeladen“, berichtet Günzel. Auch Apotheker Lernbecher musste schon erleben, wie seine Mitarbeiter von übel gelaunten Kunden für die vom Staat verhängten Regeln angegriffen wurden.

Er appelliert daher dringend an die Verantwortlichen, gerade die PCR-Tests „auf breite Schultern zu stellen und bezahlbar zu halten“. Junge Leute zum Flughafen zu schicken, wo sie für über 100 Euro einen PCR-Test machen müssten, könne nicht die Dauerlösung sein. Sogar Landrat Stefan Löwl bedauert, bei allem Verständnis für die Impfstrategie der Staatsregierung, „dass es für nicht geimpfte Personen nun schwerer wird, einen PCR-Test zu bekommen“.

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