Berlin – Und wieder kamen sie in voller Mannstärke und rammten die Eingangstür auf!
Am Mittwochmorgen stürmten rund 300 Polizisten das teilbesetzte Haus „Rigaer 94“ in Berlin-Friedrichshain. Grund diesmal: Die Beamten sollten die Personalien der Hausbewohner feststellen.


„Wir vollstrecken einen richterlich erlassenen Durchsuchungsbeschluss hier im Haus“, sagte eine Polizeisprecherin vor Ort. Er sei auf Antrag des Eigentümers erlassen worden. „Ein Teil der Einsatzkräfte ist in dem Haus und auch schon in den Wohnungen.“


Nach BILD-Informationen soll es um 24 Wohnungen gehen und darum, wer darin genau wohnt.
Der Straßenzug vor dem Haus wurde gesperrt.
Auf Twitter forderte die Polizei Bewohner auf, in ihren Wohnungen zu bleiben und sich ruhig zu verhalten.
Aktuell wird durch unsere Einsatzkräfte ein richterlich angeordneter Durchsuchungsbeschluss in der #Rigaer Str. 94 vollstreckt.
— Polizei Berlin (@polizeiberlin) October 6, 2021
Wir bitten alle Bewohnerinnen & Bewohner: Verhalten Sie sich ruhig, bleiben Sie in ihren Wohnungen und folgen Sie den Anweisungen unserer Kolleg.
^tsm
Die Bewohner reagierten angesichts der Maßnahmen via Twitter verärgert und schrieben, dass mehrere Wohnungen durchsucht würden. „Grund wurde uns noch nicht genannt.“


„Wir werden an jede Wohnungstür gehen und bitten, dass uns geöffnet wird beziehungsweise, wenn uns nicht geöffnet wird, die Tür von unserer Seite aus öffnen“, sagte die Polizeisprecherin.
Letztlich mussten die Eingangstür und zwei Wohnungen gewaltsam geöffnet werden.


Bis 10.30 Uhr waren die Beamten nach BILD-Informationen in 17 Wohnungen, gegen 12 Uhr war die Polizei im Gebäude fertig. 24 Wohnungen und ein Dachboden, der wohl als Wohnung genutzt wurde, wurden überprüft.


Einige Wohnungen waren leer. 26 Personen wurden angetroffen, ihre Identität festgestellt. Widerstandshandlungen gab es nicht.


Die Polizei fand eine Art Langwaffe, deren Echtheit geprüft werden sollte. Nach ersten Informationen handelt es sich um ein Luftdruckgewehr.
Die Maßnahmen waren am Mittag beendet.


Linkes Szenesymbol
Die Straße in Friedrichshain ist vor allem durch das teilbesetzte Haus in Nummer 94 bekannt. Der Gebäudekomplex gilt deutschlandweit als Symbol der linksradikalen Szene.


Regelmäßig kommt es im Kiez um die Rigaer Straße zu Gewaltattacken auf Polizisten. Streifenwagen, die die Straße passieren, werden grundlos mit Farbbeuteln, Steinen und Feuerwerkskörpern angegriffen. Das Projekt ist schon lange auch in der Politik umstritten.
Benjamin Jendro von der GdP Berlin: „Wir hoffen, dass man die Kollegen ihre Arbeit machen lässt, sie gesund wieder nach Hause kommen und der Rechtsstaat auch in diesem Haus akzeptiert wird.“
Eskalation im Sommer 2021
Am 16. Juni, kurz vor einer angekündigten Brandschutzprüfung in dem Haus, hatten nach Angaben der Polizei 200 vermummte Gewalttäter in der Rigaer Straße Barrikaden errichtet, angezündet und die Polizei mit einem Steinhagel angegriffen. Mehr als 60 Polizisten wurden überwiegend leicht verletzt.


Danach hatte Innensenator Andreas Geisel (SPD) erklärt, er unterstütze grundsätzlich eine Räumung. Offizieller Eigentümer des Gebäudekomplexes ist eine Firma. Wer dahinter steht, ist nicht bekannt.


