Corona-Demos

17.000 Teilnehmer in Thüringen – Polizisten in Bautzen verletzt

10.01.2022
Lesedauer: 5 Minuten
Quelle: welt.de

Am Montagabend sind in deutschen Städten erneut mehrere zehntausend Menschen auf die Straße gegangen – in Thüringen rund 17.000, in Mecklenburg-Vorpommern 15.000. In Köln und Lübeck hielten die Demonstranten sich an die Maskenpflicht. In Freiberg durchbrachen sie eine Polizeikette.

Am Montagabend sind erneut mehrere zehntausend Menschen in deutschen Städten auf die Straße gegangen, um gegen Einschränkungen in der Corona-Pandemie und eine mögliche Impfpflicht zu demonstrieren. Größere Menschenansammlungen meldete die Polizei vor allem aus Ostdeutschland. Allerdings gab es am Montag auch Gegenproteste, so in Zwickau oder bei insgesamt 16 Corona-konformen Demonstrationen in Leipzig.

In Bautzen wurden mindestens drei Polizisten verletzt. Die Beamten seien mit Pflastersteinen und Flaschen beworfen worden, teilte die Polizei mit. Insgesamt seien rund 500 Menschen durch die Stadt gezogen. Davon seien rund 150 bis 200 gewaltbereite Hooligans und Menschen aus dem radikal rechten Milieu gewesen.

Im sächsischen Freiberg versammelten sich nach ersten Schätzungen etwa 700 Menschen, die immer wieder der Polizei ausgewichen seien, sagte ein Sprecher. Als die Beamten an einem Ort eine Sperre mit Fahrzeugen bildeten, habe es einen Durchbruch von etwa 100 Personen gegeben. Dabei sei ein Polizeifahrzeug beschädigt worden, der Verursacher sei in Gewahrsam gekommen. Es sei gesteigertes Gewaltpotenzial zu merken, sagte der Sprecher. Beamte seien nicht zu Schaden gekommen.

In Thüringen zählte die Polizei bis zum Abend landesweit mehr als 17.000 Demonstranten. Die größten Demonstrationen hätten dabei in Gera mit rund 1.500 Teilnehmern und Jena mit über 1.000 Teilnehmern stattgefunden, sagte ein Polizeisprecher. Er beschrieb die Lage als weitgehend ruhig, Eskalationen habe es nicht gegeben. Vereinzelt hätten auch Gegenproteste „mit geringen Teilnehmerzahlen“ stattgefunden, sagte der Sprecher der Thüringer Polizei.

Eine Demonstration gegen Corona-Einschränkungen und Impfpflicht zieht sich durch die Innenstad von Rostock
Eine Demonstration gegen Corona-Einschränkungen und Impfpflicht zieht sich durch die Innenstad von Rostock
Quelle: dpa/Bernd Wüstneck

Insgesamt mehr als 15.000 Teilnehmer zählte die Polizei in Mecklenburg-Vorpommern an mehr als 20 Orten. In Rostock versuchten einige der mehreren 4000 Demonstranten, Polizeiabsperrungen zu durchbrechen, worauf die Beamten auch Pfefferspray einsetzten. In Schwerin wurden von der Polizei rund 2400, in Neubrandenburg rund 1800 und in Greifswald 650 Demonstranten gezählt. In Greifswald versuchten Gegner den Protestzug mit Sitzblockaden aufzuhalten.

Polizei ahndet Ordnungswidrigkeiten in Potsdam

Auch in Brandenburg war die Mehrzahl der Protestzüge nach Angaben der Polizei nicht angemeldet. Den größten unangemeldeten Protestzug gab es in Cottbus mit etwa 3000 Menschen. Auch einige Personen aus der rechtsextremen Szene seien unter den Teilnehmenden gewesen, berichtete ein Polizeisprecher. Die Polizei nahm bei nicht angemeldeten Versammlungen Strafanzeigen wegen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz auf und ahndete Ordnungswidrigkeiten wegen des Verstoßes gegen Corona-Auflagen.

In Potsdam kamen trotz eines Verbots Hunderte Menschen in der Innenstadt zusammen. „Stellt Euch vor, es ist 3G und keiner geht hin“, war unter anderem auf Plakaten zu lesen. Die Polizei hatte die Versammlung zuvor wegen einer unmittelbaren Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung untersagt. Auch Ersatzversammlungen an anderen Orten dürften nicht stattfinden, wie ein Polizeisprecher betonte. An verschiedenen Plätzen in der Innenstadt verteilten sich anschließend kleine Gruppen. Die Polizei war mit zahlreichen Einsatzkräften vor Ort.

In Potsdam setzte die Polizei eine Reiterstaffel ein, um den Protest zu unterbinden
In Potsdam setzte die Polizei eine Reiterstaffel ein, um den Protest zu unterbinden
Quelle: dpa/Soeren Stache

In Frankfurt (Oder) protestierten rund 1000 Menschen gegen die Corona-Bestimmungen und gegen eine Impfpflicht. Mit dem Glockenschlag des Rathauses setzte sich Punkt 18 Uhr ein Protestzug Richtung Stadtbrücke und weiter durch angrenzende Viertel in Bewegung. Die Stimmung sei friedlich, wie ein Reporter der Deutschen Presse-Agentur berichtete.

In Magdeburg löste die Polizei eine unangemeldete Demonstration von etwa 1.800 Menschen auf und ging nach eigenen Angaben konsequent gegen Verstöße gegen die Allgemeinverfügung der Versammlungsbehörde vor. In Halle nahmen nach Polizeiangaben an vier Aktionen etwa 2400 Menschen teil. Im Burgenlandkreis beteiligten sich demnach fast 1800 Teilnehmer an fünf Orten. Es sei vergleichsweise ruhig geblieben, sagte ein Sprecher.

Protest mit Masken in Köln und Lübeck

In Köln versammelten sich die Teilnehmer einer Demonstration nach Angaben der Polizei auf dem Roncalliplatz neben dem Dom zogen von dort durch die Innenstadt. Der ganz überwiegende Teil habe sich an die Maskenpflicht auf dem Platz gehalten, sagte ein Polizeisprecher. Er schätzte die Teilnehmerzahl auf weit über 1000. Die angemeldete Zahl von 1500 Teilnehmern könnte erreicht worden sein.

An den vergangenen Montagabenden hatte es in Köln auch schon Kundgebungen gegeben, dabei handelte es sich aber um unangemeldete Versammlungen. Dieses Mal waren zwei Demonstrationen angemeldet worden, eine davon stand unter dem Motto „Köln steht auf für Freiheit 22“. Eine kleine Gruppe von 20 bis 25 Teilnehmern demonstrierte für die Corona-Maßnahmen.

In Lübeck zogen mehrere hundert Teilnehmer friedlich durch die Innenstadt. Auf den Transparenten forderten sie unter anderem eine freie Impfentscheidung. Andere hatten sich bunte Lichterketten um den Körper geschlungen. Nach Polizeiangaben hielt sich die Mehrheit der Demonstrationsteilnehmer an die Abstandsregeln und die Pflicht zum Maskentragen.

Auch weiteren Bundesländern gab es nach Polizeiangaben Proteste, etwa in RegensburgVilshofen und Bayreuth in Bayern, in Gummersbach und Fulda in Hessen oder in Mainz und Koblenz in Rheinland-Pfalz.

dpa/sebe/gub

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