Fast vier Jahre nach Relotius-Skandal

Wieder Zweifel an „Spiegel“-Reportagen

24.11.2022
Lesedauer: 2 Minuten
Vier Artikel hat der „Spiegel“ aktuell offline genommen, überprüft derzeit die Berichterstattung Foto: Georg Wendt/dpa

„An dieser Stelle befand sich ein Beitrag über das Schicksal einer Flüchtlingsgruppe am griechisch-türkischen Grenzfluss Evros im Sommer 2022. Mittlerweile gibt es Zweifel an der bisherigen Schilderung der damaligen Geschehnisse.“

Statt eines Artikels finden Leser aktuell diesen Hinweis, wenn sie die URL verschiedener „Spiegel“-Artikel zu der „Todesfalle EU-Grenze“ eingeben.

Fast vier Jahre nach dem Relotius-Skandal gibt es beim „Spiegel“ wieder Zweifel an dem Wahrheitsgehalt von mehreren Reportagen.

Konkret geht es um Reportagen aus dem vergangenen August zu dem fünfjährigen Flüchtlingsmädchen Maria, das auf einer Insel zwischen der Türkei und Griechenland gestorben sein soll. „Nun ist Maria tot“, schrieb der „Spiegel“-Reporter laut „Medieninsider“ in einem der fraglichen Artikel. „Sie ist Anfang August an Europas Außengrenze gestorben, weil ihr griechische Behörden jede Hilfe versagten“

ABER: Wie „Medieninsider“ berichtet ist nicht nur fraglich, ob das Mädchen gestorben ist – sondern auch, ob es überhaupt existiert.

▶︎ Insgesamt vier Artikel zu dem Thema hat der „Spiegel“ inzwischen offline genommen. Man überprüfe derzeit die Berichterstattung und würde nach Abschluss der Recherchen entscheiden, ob die Beiträge gegebenenfalls in korrigierter und aktualisierter Form erneut veröffentlicht würden, erklärt der „Spiegel“ weiter zu den entfernten Artikeln.

Bereits im September habe der griechische Migrationsminister Notis Mitarachi (50) „Spiegel“-Chefredakteur Steffen Klusmann (56) in einem Brief seine Zweifel an den Reportagen mitgeteilt und dem Magazin vorgeworfen, ungefiltert die Angaben von NGOs weitergegeben zu haben.

“Spiegel”-Reporter Giorgos Christides, der die Reportagen in Griechenland geschrieben hat, hatte sich schon Ende August in einem Twitter-Thread geäußert, nachdem Vorwürfe gegen ihn aufgekommen waren. Er habe mit den Eltern und den Geschwistern des Mädchens gesprochen und wolle „anders als die Politik“ nicht an ihnen zweifeln. Auch hätten ihm weitere Menschen die Existenz des Mädchens bestätigt, darüber hinaus habe es auch eidesstattliche Versicherungen gegenüber der ermittelnden Staatsanwaltschaft gegeben. (lvo)

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