Thilo Sarrazins neues Buch

Was Angela Merkel alles falsch gemacht hat

28.07.2021
Lesedauer: 2 Minuten
Foto: Christophe Gateau/dpa

Alle reden vom Wetter, er nicht: Bei seiner Buchvorstellung rechnet Sarrazin mit Merkel ab, das Top-Thema bleibt außen vor. In die SPD will er aber nicht mehr. 

Das zentrale Verb kommt wieder zum Einsatz, aber diesmal nutzt Thilo Sarrazin es optimistischer: Mehr als zehn Jahre nach „Deutschland schafft sich ab“, seinem Bestseller, dessen Katastrophenszenarien der Einwanderungsgesellschaft ihn die SPD-Mitgliedschaft kosteten, nun ein neues Buch von „Deutschlands erfolgreichstem Sachbuchautor der Nachkriegszeit“ (Verlagswerbung) und früheren Berliner Finanzsenator.

Als Titel leiht sich Sarrazin, korrekt in Anführungszeichen, den berühmtesten Satz der Kanzlerin: „Wir schaffen das“. Um ihn gleich im Untertitel in Abrede zu stellen: „Erläuterungen zum politischen Wunschdenken“. Der für einen Sarrazin ungewöhnlich schmale Band will auf 179 Seiten das Funktionieren und „die Kunst erfolgreicher Politik“ erläutern. „Wer Politikwissenschaft studieren will, aber nicht genug Zeit hat, dem empfehle ich mein Buch“, so der Autor. Da steckten neben der theoretischen Durchdringung auch 45 Jahre praktischer Erfahrung drin.

Abarbeiten an der Frau im Kanzleramt

Auf der offiziellen Vorstellung des Bands, zu der Arnold Vaatz, früherer DDR-Bürgerrechtler und bisher Vizechef der Unionsfraktion im Bundestag, eine Laudatio beisteuerte, arbeiteten sich alle drei Herren auf dem Podium, Autor, Laudator und Verleger Michael Fleissner, dann doch wieder an der scheidenden Kanzlerin und ihren „verheerenden Fehlentscheidungen“ ab:

Dass sie die Grenzen 2015 nicht gegen syrische Flüchtlinge schloss – für Sarrazin weiter eine Grenzöffnung -, dass sie in gemeinsame europäische Schulden ein- und aus der Atomenergie ausgestiegen ist, obwohl, wie es im Buch heißt, „ kein deutsches Kernkraftwerk in einer tsunamigefährdeten Zone lag“.

Drei „historische Weggabelungen“ ihrer Amtszeit, an denen die Kanzlerin aus Sicht von Sarrazin stets falsch abgebogen ist. Ausgerechnet die Klimakrise und die Klimabilanz der 16 Jahre Merkel werden in den anderthalb Stunden im Berliner Bristol-Kempinski freilich auf eine merkwürdige Weise beschwiegen – mitten in Sommerwochen, da die Nachrichten voll sind von Fluttoten und weggeschwemmten Häusern im fernen deutschen Westen.

„Würde heute nicht mehr in die SPD eintreten“

Als „exzellentes“ Buch rühmt Vaatz den neuen Sarrazin, „Pflichtlektüre für alle, die sich fragen: Wie konnte es so weit kommen.“ Das Publikum an Erft und Ahr würde sich wundern. Dafür verkündet Sarrazin das Ende eines langen persönlichen Kampfes: Wäre er heute noch einmal 28, sagt er auf Nachfrage, würde er wohl nicht mehr in die SPD eintreten. Deswegen habe er beschlossen, gegen seinen Parteiausschluss nicht mehr vor Gericht vorzugehen.

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