Bei „Maischberger“ duellierten sich Sahra Wagenknecht (Linke) und Marieluise Beck (Grüne) – zwei Vordenkerinnen ihrer Parteien. Beck forderte radikale Solidarität mit der Ukraine. Wagenknecht sprach von ukrainischen Kriegsverbrechen.
Sandra Maischberger ist aus der Osterpause zurückgekehrt und sendet ab sofort zwei Mal pro Woche, außer am Mittwoch auch am Dienstag. Begründet wird der zweite Termin damit, dass aktuell viel passiere. Am Dienstag war erstmals seit der Corona-Pandemie auch wieder Publikum im Studio – und erlebte gleich eine leidenschaftlich geführte Diskussion zweier meinungsstarker Frauen.
Linken-Politiker Sahra Wagenknecht duellierte sich mit Grünen-Politikerin Marieluise Beck über deutsche Waffenlieferungen an die Ukraine – und die Frage, wie der Krieg mit Russland beendet werden kann.
Über den Ukraine-Krieg und die Kehrtwende von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) bei der Lieferung schwerer Waffen diskutierten auch „Spiegel“-Journalistin Melanie Amann und „Zeit“-Redakteurin Mariam Lau sowie der ehemalige ARD-Moderator Waldemar Hartmann.


Quelle: ARD/© WDR/Oliver Ziebe
TV-Showmaster-Legende Frank Elstner bekam anlässlich seines 80. Geburtstags einen besonderen Platz in der Sendung. Moderatorin Maischberger sprach mit ihm über sein Leben und Parkinson-Erkrankung.
Die ehemalige Bundestags-Abgeordnete Marieluise Beck ist seit Wochen eine lautstarke Befürworterin deutscher Waffenlieferungen an die Ukraine: „Waffen können auch schützen“, sagte sie mit Blick auf Zivilisten im Ukraine-Krieg.
Der Wunsch der Ukraine nach Freiheit sei zu respektieren, sagt die ehemalige Bundestagsabgeordnete @MarieluiseBeck (@Die_Gruenen) und betont die besondere historische Verpflichtung Deutschlands. #Maischberger #Ukraine @DasErste pic.twitter.com/uVSmJ6KDS3
— Maischberger (@maischberger) May 3, 2022
Sahra Wagenknecht hingegen lehnt die Waffenlieferungen entschieden ab. Zwar sei sie keine „Pazifistin nach Wortlaut“, da für sie eine deutsche Armee zur Landesverteidigung sehr wohl richtig sei. Alle Konflikte aber müssten vorrangig durch Diplomatie gelöst werden.
Auch im Ukraine-Krieg müsse versucht werden, mit Verhandlungen eine weitere Eskalation zu verhindern. „Wenn die Ukraine mehr Waffen einsetzt, wird auch Putin mehr Waffen einsetzen“, sagte Wagenknecht.
Beck warf der Linken-Politikerin vor, den Aggressor (Russland) mit dem Widerständler (Ukraine) gleichzusetzen. „Erstmal muss klar sein: Russland hat die Ukraine angegriffen“, sagte Beck. „Die Ukraine wehrt sich gegen einen Völkermord, wie es in Butscha und Mariupol bereits gesichert geschehen ist.“
Wagenknecht konterte: „Man kann sagen, dass in dem Krieg furchtbare Verbrechen stattfinden, und das wahrscheinlich von beiden Seiten.“ Es gebe kaum unabhängige Quellen aus dem Kriegsgebiet, meinte sie. Zum Beispiel gebe es aber verifizierte Videos, in denen ukrainische Soldaten russische Kriegsgefangene erschießen würden, sagte die Bundestagsabgeordnete. In der Ukraine herrsche nicht der erste „schreckliche Krieg nach dem Zweiten Weltkrieg“, sagte sie. Es sei unerträglich, dass dies aber überall so dargestellt werde.
Linken-Politikerin @SWagenknecht sieht in einer weiteren Eskalation des Krieges in der #Ukraine auch für Deutschland eine Gefahr. Zudem würden #Waffenlieferungen nur weitere Opfer bedeuten.#Maischberger @DasErste pic.twitter.com/jY9E7bXRbM
— Maischberger (@maischberger) May 3, 2022
Während Wagenknecht auf Sicherheitsinteressen von Russland beharrte, die beinhalten, dass die Ukraine als neutral gelte und dort keine „amerikanische Einflusszone entstehe, auf dessen Gebiet Raketen mit Richtung Russland stehen“, wies Beck auf die ukrainische Entscheidung hin, sich der Nato und dem Westen anzunähern.
„Wenn sich die Ukraine für Demokratie und den Westen entscheidet, dann ist es nach der freien Bündniswahl auch ihr Recht. Selbst Russland hat vor Putin diesem Grundsatz zugestimmt“, sagte Beck.
Würden der Westen Putin einfach machen lassen, würde er auch das Baltikum und Polen angreifen, meinte Marieluise Beck. „Wir sollten ihm nicht geben, was er will, denn er wird nicht satt sein.“ Dem widersprach Wagenknecht entschieden. „Dass Putin mit dieser Militärmacht, mit der er in der Ukraine Schwierigkeiten hat, die Nato angreift, ist relativ absurd“, meinte Sahra Wagenknecht.
Die Lieferung schwerer Waffen aus Deutschland hat die Bundespolitik bereits beschlossen, Kanzler Olaf Scholz hat in seiner Haltung dazu eine Kehrtwende gemacht. Noch vor wenigen Wochen beschwor er die Gefahr eines Atomkrieges, sollte Deutschland derart am Krieg beteiligen. Zuletzt befürwortete er die Waffenlieferungen mit dem Verteidigungsrecht der Ukraine.
„Zeit“-Redakteurin Mariam Lau sieht in Scholz‘ Entscheidung die klare Haltung, dass man sich von der russischen Regierung nicht erpressen lassen wolle. Journalist Waldemar Hartmann begründete das Hin und Her damit, dass „der Krieg täglich eine neue Bewertung brauche, weil sich auch ständig etwas ändert.“
Hartmann führte Gründe für und gegen die Waffenlieferungen an – bezog aber nicht klar Position. Amann und Lau sprachen sich hingegen für die militärische Unterstützung der Ukraine aus.


Quelle: ARD/“maischberger“/© WDR/Oliver Ziebe
Den offenen Brief an Bundeskanzler Scholz in der Zeitschrift „Emma“, unterzeichnet von 28 Prominenten und Künstler, kritisierte Journalistin Lau. Es werde darin der Aggressor und der Angegriffene gleichgesetzt, sagte sie. Der Brief sage nichts anderes gegenüber der Ukraine aus als: „Seht zu, wie ihr klarkommt, aber bringt uns nicht in Gefahr“, meinte Lau.
Anlässlich seines 80. Geburtstags am 19. April war Showmaster Frank Elstner bei Maischberger zu Gast, der einstige Erfinder und langjährige Moderator von „Wetten, dass..?“ Seine Eltern waren Schauspieler, so kam Elstner schon früh an eigene Rollen. Zunächst erhielt er 1952 seine erste Sprechrolle als Bambi in einer Hörspielproduktion von Disney.
„Was wir hier gerade durchmachen, ist das Schlimmste, was man sich vorstellen kann”, so TV-Legende @Frank_Elstner über den Krieg in der #Ukraine. Er träume noch heute von seinen eigenen Kriegserinnerungen.#Maischberger @DasErste pic.twitter.com/4KSnLex4qw
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„Ich war nicht unbegabt, hätte durchaus Schauspieler werden können“, erinnerte sich Elstner zurück. Interessiert habe es ihn aber nicht. Theaterwissenschaften hätte er gerne studiert, „wäre ich nicht durchs Abitur gefallen.“ Stattdessen wurde der gebürtige Linzer Produzent und Journalist, arbeitete in den 60er- und 70er-Jahren bei Radio Luxemburg, schuf 1981 die Fernsehshow „Wetten, dass..?“.
Elstner machte 2019 seine Parkinson-Erkrankung öffentlich. „Leider ist Parkinson noch immer nicht heilbar. 400 000 Erkrankte gibt es in Deutschland, das bedeutet Millionen Angehörige und davon Betroffene“, sagte Elstner.
Tischtennis gegen Parkinson
Er sei überzeugt, dass in den nächsten Jahren mehr an Behandlungsmöglichkeiten entstehen werde. 2021 veröffentlichte Elstner das Buch „Dann zitter ich halt – Leben trotz Parkinson“.
Er selbst habe bisher einen eher milden Verlauf, sagte er. Jedem Erkrankten sei Sport zu empfehlen, Tischtennis sei besonders gut. „Es gibt demnächst eine Tischtennis-Weltmeisterschaft für Parkinson-Kranke. Ich melde mich an“, sagte Elstner.



