Der Ex-„Bild“-Chefredakteur hat erreicht, dass der „Spiegel“ den Artikel mit dem Titel „Vögeln, fördern, feuern“ löschen muss. Das Magazin will sich dagegen wehren.
Der ehemalige Bild-Chefredakteur hat vor dem Landgericht Hamburg einen weiteren Teilsieg gegen den Spiegel errungen. Das Magazin hatte in einem Artikel mit der Überschrift „Vögeln, fördern, feuern“ online und in seiner Printausgabe im März 2021 über Interna aus der Bild-Redaktion und insbesondere über Reichelts Verhalten berichtet. Das Gericht hat nun entschieden, dass der Artikel online nicht mehr abrufbar sein darf. Der Beschluss des Gerichts liegt ZEIT ONLINE vor.
Gegen den Text hat Reichelt bereits kurze Zeit nach dessen Erscheinen eine einstweilige Verfügung erwirkt. Reichelts Vorwurf lautete, der Spiegel habe ihm keine Gelegenheit zur Stellungnahme gegeben, Reichelt sei von der Kommunikationsabteilung des Axel-Springer-Verlags nicht über vom Spiegel an ihn gerichtete Fragen informiert worden. Reichelt gab darüber eine eidesstattliche Versicherung ab und bekam im Mai vor Gericht recht: Das untersagte dem Spiegel, über den damaligen Bild-Chefredakteur „wegen des Verdachts des Fehlverhaltens gegenüber Frauen, des Machtmissbrauchs und der Ausnutzung von Abhängigkeitsverhältnissen zu berichten und / oder berichten zu lassen“, sollte das wie in dem monierten Artikel geschehen.
In der Folge verbreitete der Spiegel den Printartikel nicht mehr „und schwärzt ihn bei Heft-Nachbestellungen komplett“, bestätigte das Landgericht nun auch in dem neuen Beschluss. Die Onlinefassung wiederum ergänzte der Spiegel um eine Stellungnahme Reichelts. Der Artikel selbst blieb online aber abrufbar.
Reichelt sah darin einen Verstoß gegen die einstweilige Verfügung und beantragte einen Ordnungsmittelbeschluss. Auch diesmal bekam er recht, weshalb der Spiegel den Artikel nun offline nehmen muss. Der Spiegel will sich damit indes nicht zufriedengeben. Laut dem Branchenportal Medieninsider hat das Magazin Beschwerde beim Oberlandesgericht eingereicht.
Reichelt war im Zusammenhang mit den im Spiegel berichteten Vorwürfen im Frühjahr für knapp zwei Wochen freigestellt worden, der Springer-Verlag leitete ein Compliance-Verfahren ein. Nach Abschluss einer von Springer beauftragten externen Ermittlung wurde die Freistellung Reichelts dann jedoch aufgehoben.
Mitte Oktober wurde Reichelt doch von seinen Aufgaben als Bild-Chefredakteur entbunden, Springer trennte sich von ihm. Zuvor war ein Beitrag in der New York Times erschienen, der die internen Ermittlungen gegen Reichelt, das Verhalten des Axel-Springer-Verlags und seines Vorstandsvorsitzenden Mathias Döpfner kritisch aufgriff. Reichelts Nachfolger an der Spitze der Bild-Zeitung wurde der vormalige Chefredakteur der Welt am Sonntag, Johannes Boie.




