Debatte um NZZ-Kommentar

Schweizer Zeitung: AfD soll mitregieren

14.02.2024
Lesedauer: 2 Minuten
Die AfD-Chefs Alice Weidel und Tino Chrupalla Foto: IMAGO/dts Nachrichtenagentur

Kann man die Rechtsaußen-Partei so kleinkriegen?

Die AfD mitregieren lassen, um sie kleinzukriegen? Das fordert der Deutschland-Chef der Schweizer „Neuen Zürcher Zeitung“ (NZZ), Marc Felix Serrao (46) in einem Kommentar – und löst eine scharfe Debatte aus.

Der NZZ-Journalist kritisiert, dass sich in Deutschland der „schlechteste Weg“ im Umgang mit der Rechtsaußen-Partei durchgesetzt habe. Die AfD würde „zur Gefahr für die Demokratie“ erklärt, ihre Politiker und Unterstützer „wie Feinde behandelt“.

Laut Serrao habe das zwei Folgen: „Die Gesellschaft driftet auseinander. Und die Einzige, die von dieser Entwicklung profitiert, ist die AfD.“

Zu hoffen, dass „noch mehr Ausgrenzung“ die Rechtsaußen-Partei schrumpfen lassen werde, hält er für „magisches Denken“. Von All-Parteien-Koalitionen oder einem Bündnis der CDU mit Sahra Wagenknechts BSW-Partei in den Ost-Bundesländern würde die AfD nur profitieren. „Die Rolle des Außenseiters ist für die AfD keine Strafe, sondern ein Geschenk“.

Deswegen fordert er: Wer der AfD schaden will, „muss sie mitregieren lassen“. So schnell wie möglich, „bevor die Partei noch mehr Zuspruch erhält“.

Regieren würde AfD vor „gewaltige Probleme stellen“

Anstatt „entspannen“ und „Frust bewirtschaften“ stünde Regieren auf dem Programm. „Applaus gäbe es nicht mehr für Agitation, sondern nur noch für politisches Handwerk“, schreibt der NZZ-Journalist und sieht genau hier die Chance auf die AfD-Schrumpfung: „Wer das Personal der AfD nur ein bisschen kennt, weiß, dass ein solcher Rollenwechsel die Partei vor gewaltige Probleme stellen würde.“

Die AfD würde sich entweder „entzaubern“, „schrumpfen“ oder „entradikalisieren“, so Serraos Hoffnung.

Auf X (früher Twitter) gibt es für den viel geteilten Beitrag auch deftige Kritik. „Wie lange dauert es, bis auch in Deutschland die bürgerliche Mitte (hier die bürgerliche Presse) kippt? Vielleicht kürzer als man denkt …“, schreibt Ökonom Rudi Bachmann.

Autor Stephan Anpalagan attackiert den NZZ-Journalisten persönlich: „Ich bin einfach nur froh, dass sich die Freunde der AfD nicht weiter verstecken, sondern nun offen zu erkennen geben.“

Sympathien für die Rechtsaußen-Partei lässt Serrao in seinem Kommentar allerdings nicht erkennen. Der Deutschland-Chef der konservativen Schweizer Traditionszeitung macht klar, dass er die AfD für „aggressiv und illiberal“ hält, kritisiert den „engen Draht nach Moskau“ und das „völkische Geschwätz eines Björn Höcke“. Für eine „Nazi-Partei“ hält er die AfD nicht. Zu groß seien die Unterschiede zu Hitlers Kriegs- und Holocaust-Partei NSDAP.

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