Skandal-Kommentar

„Ratten“! Tagesschau entmenschlicht radikale Twitter-Nutzer

05.11.2022
Lesedauer: 2 Minuten
Ein „Tagesschau“-Kommentar fürchtet zu viel Meinungsfreiheit auf Twitter – und nutzt dabei hetzerische, entmenschlichende Sprache Foto: DADO RUVIC/REUTERS

Elon Musks (51) Twitter-Übernahme erhitzt weiter die Gemüter – denn der US-Milliardär will das soziale Netzwerk nicht nur mit Knallhart-Kürzungen unternehmerisch auf Vordermann bringen, sondern auch seine Nutzungsregeln lockern.

Genauer gesagt: Musk will mehr Meinungsfreiheit auf Twitter zulassen.

Das passt vielen Nutzern nicht. Ihr Argument: Damit würden auch Meinungen jenseits dessen zugelassen, was gemeinhin gesellschaftlich akzeptiert ist. Befürchtet werden unter anderem Rassismus und Judenhass.

Diese Sorge vertritt auch ein Kommentar auf der Website der „Tagesschau“, der dabei allerdings komplett aus dem Ruder läuft. Twitter-Nutzer mit unliebsamen Meinungen („rassistisch oder verschwörerisch“) werden als „Ratten“ beschimpft, die „in ihre Löcher zurück geprügelt werden“ sollten.

„Ratten“? Eine skandalöse Bezeichnung, die besonders im deutschen Sprachgebrauch an hetzerische, entmenschlichende Sprachbilder aus dunkelsten Zeiten erinnert. Und die sich in diesem Kontext wohl nicht nur auf tatsächliche Rassisten und Verschwörungstheoretiker bezieht, sondern auch auf alle, die die Tagesschau für solche hält.

Im Wortlaut schreibt Nils Dampz (SWR) aus dem ARD-Studio in Los Angeles: „Musk hat auch angekündigt, dass Twitter zum ‚Marktplatz der Debatte‘ werden solle. Aber auf seinem ‚Marktplatz‘ sollen offenbar auch rassistische oder verschwörerisches Ratten (Tippfehler im Original, d. Red.) aus ihren Löchern kriechen dürfen. Twitter kann nur relevant bleiben, wenn genau diese Ratten – um im Marktplatzbild zu bleiben – in ihre Löcher zurück geprügelt werden.“

Auch wenn unter dem Kommentar ein redaktioneller Hinweis steht, wonach Kommentare „grundsätzlich die Meinung des jeweiligen Autors oder der jeweiligen Autorin“ wiedergeben „und nicht die der Redaktion“ – diese Hetze ist in einem Kommentar des öffentlich-rechtlichen Rundfunks vollkommen unangemessen.

Dass das Thema Verschwörungstheorien derzeit intensiv diskutiert wird, liegt auch an Elon Musk selbst. Der Tesla-, SpaceX- und Twitter-Boss teilte vor sechs Tagen selbst eine solche Theorie, löschte sie erst Stunden später wieder. Dabei ging es um einen gewalttätigen Einbrecher, der den Ehemann von US-Top-Politikerin Nancy Pelosi (82) in deren Haus mit einem Hammer angegriffen hatte. Ein Lokalblatt hatte wild herum spekuliert, ob es sich bei dem Einbrecher nicht um einen Callboy gehandelt habe, den Pelosi im Streit mit ihrem Mann selbst gerufen hatte …

Update: Tagesschau entschuldigt sich

Nachdem BILD berichtet hatte, nahm die Tagesschau die Formulierung zurück, änderte den Text und entschuldigte sich für die Wortwahl. „Es war nie das Ziel, jemanden zu entmenschlichen“, hieß es in einer Anmerkung unter dem Kommentar und auf dem offiziellen Twitter-Account der Tagesschau.

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