Alexandra Föderl-Schmid

Plagiate: Vize-Chefin der „Süddeutschen“ zieht sich zurück

05.02.2024
Lesedauer: 3 Minuten
Alexandra Föderl-Schmid, stellvertretene Chefredakteurin der „Süddeutschen Zeitung“, sieht sich Plagiatsvorwürfen gegen ihre Dissertation ausgesetzt Foto: picture alliance / Erwin Elsner | Erwin Elsner

Chaostage bei der „Süddeutschen“. Die Vize-Chefin des Blattes nimmt sich nach Plagiatsvorwürfen eine Auszeit. Bitter für die Zeitung: Sie hatte erst vor kurzem selbst Abschreib-Vorwürfe gegen eine prominente AfD-Politikerin erhoben.

MÜNCHEN. Die stellvertretende Chefredakteurin der Süddeutschen Zeitung (SZ), Alexandra Föderl-Schmid, hat angekündigt, sich aus dem operativen Tagesgeschäft vorläufig zurückzuziehen. Das berichtete der Spiegel unter Berufung auf eine Redaktionskonferenz des Blattes am Montag. Hintergrund sind Plagiatsvorwürfe gegen die Dissertation der 53jährigen sowie zahlreiche ihrer Artikel.

Föderl-Schmid, deren Zeitung vor kurzem Plagiatsvorwürfe gegen AfD-Chefin Alice Weidel veröffentlichte, die sich später als haltlos herausstellten, schrieb aus anderen Quellen ohne Kenntlichmachung ab. So etwa von der Bundeszentrale für politische Bildung (BpB). In einem Fall übernahm sie den Text des Jüdischen Museums in Berlin wortgleich.

Oben: Ausschnitt aus dem Text Föderl-Schmids Unten: die BPD Quelle: Medieninsider

Weitere Plagiatsvorwürfe gegen Föderl-Schmid

Nun sind weitere Artikel bekannt geworden, in denen sie Absätze vollständig kopiert hat. Wie das Nachrichtenportal Nius berichtete, übernahm sie für eine Biographie des Liedermachers Wolf Biermann Absätze aus einem Wikipedia-Artikel. Zudem bediente sie sich an einem Faktencheck der Tagesschau über George Soros, bei dem sie Wörter lediglich in die Gender-Version änderte. So wurde aus Regierung „Regierende“.

Nun kommen Anschuldigungen des österreichischen Plagiatsgutachters Stefan Weber hinzu. Er wirft der stellvertretenden Chefredakteurin Fehlverhalten in ihrer Dissertation vor. „Die bislang gefundenen Plagiate sind wahrscheinlich erst der Anfang und basieren auf der Softwareanalyse“, sagte er Nius.

„Bei einer Dissertation aus dem Jahr 1996 wurde naturgemäß mit vielen Quellen gearbeitet, die später nicht digitalisiert wurden. Ich komme soeben aus der Bibliothek und es hat sich der Verdacht bestätigt, daß schon der allererste Absatz der Dissertation aus einem Buch plagiiert wurde. Die Untersuchung wird noch dauern.“ Weber ist sich sicher: Es handelt sich um einen „schwerwiegenden Plagiatsverdacht“.

Süddeutsche Zeitung will Causa intern klären

Die Süddeutsche Zeitung kündigte unterdessen an, mit Hilfe einer nicht näher definierten externen „Kommission“ den Fall aufzuarbeiten. Weiterhin habe Föderl-Schmid die Universität Salzburg, an der sie promovierte, gebeten, ihre Dissertation auf mögliches Fehlverhalten zu überprüfen.

Derweil bestätigte die SZ-Chefredaktion laut dem Spiegel die Plagiatsvorwürfe gegen ihr journalistisches Wirken. Zunächst war intern von einer rechten Verleumdungskampagne die Rede gewesen. Es sei ein „mieses kleines Verleumdungsstück“, zitierte das Magazin Medieninsider aus einer Redaktionskonferenz.

Maulwurf-Jagd bei der SZ

Auf der Suche nach einem Maulwurf, der Informationen aus Konferenzen an Medieninsider weitergab, sollen E-Mail- und Telefonverbindungen der Redakteure durchsucht worden sein. Während einer vorzeitigen Vollversammlung am Dienstagabend vergangener Woche mit mehr als 100 Redakteuren sprach die Chefredakteurin Judith Wittwer von einem „Vertrauensbruch“.

Vorwürfe, Redakteure durchleuchtet zu haben, wiesen Chefredaktion, Betriebsrat und Redaktionsausschuß in einer gemeinsamen Stellungnahme zurück. Es sei lediglich überprüft worden, „ob es Datenverkehr zwischen den IP-Adressen der Redaktion und des Branchendienstes gegeben“ habe. (sv)

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