Eigenlob statt Selbstkritik

Neuer RBB-Chef blamiert sich im Potsdamer Parlament

16.08.2022
Lesedauer: 3 Minuten
Rundfunkrat-Chefin Friederike v. Kirchbach und der neue RBB-Chef Hagen Brandstäter empörten Brandenburgs Parlament Foto: picture alliance/dpa

Statt Aufklärung lieferte Schlesingers Nachfolger Hagen Brandstäter (63) im Brandenburger Landtag Geschwafel.

Peinlich-Auftritt des Schlesinger-Nachfolgers im Potsdamer Parlament! Der neue Kurzzeit-Intendant RBB-Chef Hagen Brandstäter (63) sielte sich in Eigenlob, schweifte bei Fragen ab.

Rundfunk- und Verwaltungsratschefs zeigten sich kumpelhaft oder ahnungslos. Die Politiker aber wollen nun die Kontrollen verschärfen.

Acht Monate vor der Rente erschien Brandstäter am Dienstag im Brandenburger Landtag. Mit ihm saßen sechs Stunden auf der Sünderbank: Rundfunkrats-Chefin Friederike von Kirchbach und RBB-Chefaufseherin Dorett König. Vor vier Wochen hatte die Senderspitze noch geschwänzt.


Doch statt Aufklärung lieferte Schlesingers Nachfolger Geschwafel, zählte alle RBB-Programme auf, „auch in niedersorbischer Sprache“ – und seine „gute“ Arbeit der letzten Jahrzehnte. Eigene Fehler? Fehlanzeige! Will er nicht sehen, dass es um die Existenz des Senders geht?

Ungläubiges Grinsen, als sich Brandstäter als „Kapitän“ bezeichnete, der „das Schiff RBB in wogender See den sicheren Hafen führen soll.“ Ein Albtraumschiff!

Seit fünf Tagen bemüht sich Aufseherin König vergeblich um Schlesinger Bonus-Vertrag. Der liegt in der RBB-Chefetage. Brandtstäter wusste nichts, sagte: „Kriegen sie in 1-2 Tagen.“

RBB-Chefin Patricia Schlesinger (61) soll am Montag abberufen werden – wegen Abrechnungsbetrugs. Mindestens 20 Mitglieder des Rundfunkrates müssen dafür stimmen
RBB-Intendantin Patricia Schlesinger (61) wurde fristlos abberufen Foto: dpa/picture-alliance

Nach vier Stunden platzte Steeven Bretz (CDU) der Kragen: „Ich fühle mich an der langen Leine mit belanglosen Informationen abgespeist!“ Beifall!

Doch das Trauerspiel ging weiter: Rundfunkrats-Chefin Kirchbach gab zu, dass sie die Umbaukosten von Schlesingers Luxus-Etage kannte: „Ich fand das angemessen“. Wie bitte?

Brandstäter gestand, dass niemand die Ausgaben der Ex-Intendantin kontrollierte: „Es gab kein Vier-Augen-Prinzip.“ König und ihr Verwaltungsrat ahnten nicht, dass der geplante RBB-Neubau 185 Millionen kosten soll. König: „Wir hätten nicht zugestimmt, schon 125 Mio wurden kritisiert.“ Anfangs waren 65 Millionen geplant …

Doch Brandstäter hält am „Digitalpalast“ fest: „Der Bau geht nicht auf Kosten des Programms, wird kreditfinanziert“. Aber: „Bei 185 Millionen, Inflation und steigenden Zinsen hätten wir ein Problem.“ Personalrats-Chefin Sabine Jauer sauer: „Brauchen wir den Neubau überhaupt?!“

Unfassbar: Laut Fachblatt „Juve“ arbeiten 16 (!) Anwälte für den RBB, 12 davon an der Aufklärung. CDU-Fraktionschef Jan Redmann schätzte die Kosten auf „20.000 Euro pro Tag, 500.000 Euro pro Monat“. Von unseren Rundfunkgebühren! Brandstäter schwieg dazu.

„Ein Systemversagen“, schimpfte SPD-Fraktionschef Daniel Keller. „Brandenburgs und Berlins Fraktionen sprechen über den RBB-Staatsvertrag und gucken, welche Kontroll- und Prüfrechte die Räte in Zukunft haben sollen. Hier braucht es deutliche Nachschärfungen und anderes Personal.“

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